horchen, die Fahne der Empörung erheben, und für ein Zeichen derGeistlichkeit und Kraft es halten, von Gehorsam und Dankbarkeit sichzu entbinden?Die Antwort auf die Frage, ob wir das herrliche Vermächtnißder vergangenen Zeit bewahrt haben, ist also nicht leicht. Es will schwe-rer werden, auf diese Frage mit Ja zu antworten. Aber Nein dürfenwir auch nicht sagen.Wir wollen uns beugen und unsere Untreue und Unlauterkeit undvielfaches Elend dem Herrn bekennen: aber wir wollen nicht verkennen,daß der Herr doch noch sein Feuer und seinen Heerd unter uns hat, unddaß der eigentliche Kern unserer Gemeinden, wie unter andern bei jederPrediger=Wahl es sich von neuem kund thut, doch noch fest hält ander Losung: Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit;und fest daran hält, daß nichts anderes helfen und erretten könne,als die Gnade deß, der von den Todten ausgeführt hat den großenHirten der Schafe im Blute des ewigen Testaments, und der alles inuns schafft, was ihm gefällig ist. Bei den Schuldbekenntnissen, diewir abzulegen haben, wollen wir doch nicht vergessen, daß wir auchdas Opfer des Dankes darzubringen haben dafür, daß unter uns diegroßen Thaten Gottes von so vielen Zeugen verkündigt werden, wie sonstwohl schwerlich es sich noch einmal in einer Gegend Deutschlands fin-det, — und wollen das Lobopfer dafür bringen, daß doch große Schaa-ren in unsern Gemeinden sich finden, die das reine Wort gern, ja mitBegierde aufnehmen und es bewahren, und die nichts anderes hören undwissen wollen als die frohe Botschaft von der Gnade, nichts als dasWort vom Kreuz. Damit dieß Wort und der Segen dieses Wortesbei uns bleibe, so wollet die Mahnung des Apostels beherzigen: „Lasseteuch nicht mit mancherlei und fremden Lehren umtreiben, sondern lassetdas Herz festmachen durch Gnade.“ Dieß das Dritte in unsrer Betrachtung.III.Unter den mancherlei und fremden Lehren, welche das Herz von derGnade abwenden und wieder unter menschliche Satzungen bringen, sindnicht so sehr die Lehren der offenbar Ungläubigen und Abtrünnigen ge-meint, deren Losung ist, wie wir hören: Wir wollen nicht, daß Chri-stus über uns herrsche, und wo schamlose Freiheit das Wort Gottesgeradezu verwirft. Nein, es sind vielmehr die Lehren derer, so unterdem Scheine der Wahrheit daher treten und etwas Besonderes und Herr-liches, gleichsam ein Evangelium für die Eingeweihten, vorgeben. Es
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