Druckschrift 
Synodal-Predigt, gehalten in Elberfeld, über Hebr. 13,22
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Gnadenstunden, gleichsam Frühlingszeiten im Reiche Gottes, gehen inder Regel, wie die schönen Frühlingstage im Reiche der Natur, schnellvorüber. Die Frage ist die, ob das Vermächtniß überhaupt, von treuenHirten und Lehrern, von heiligen priesterlichen Seelen den Gemeindenum noch genauer denübergeben, noch da ist. Können wir sagen, —Gedanken auszusprechen, daß das Wort von der Gnade in unsern Ge-meinden waltet, und daß der Herr als unser Meister, Richter undKönig, der uns hilft, von uns gepriesen wird, der Herr zur Rechtendes Herrn, zu dem der Herr sprach: „Du bist Priester und König nachMelchisedeks Weise?“ — Ist es noch die Losung in unsern Gemeinden:Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit? — Undzwar der Jesus Christus, der, wie unser Text=Kapitel sagt, das Volkgeheiligt hat durch sein eigenes Blut, und gelitten hat draußen vorden Thoren des Lagers? — Was sollen, wir da antworten?Wir können nicht läugnen, wir haben es auch hier verspüren kön-nen, daß eine Stunde der Versuchung, zu versuchen die auf dem Kreisdes Erdbodens wohnen, begonnen hat. Der finstere erstickende Rauch,der aus den im Jahre 1830 und dann 1848 in Paris geöffneten Brun-nen des Abgrundes über unsern Welttheil sich verbreitet hat, hat auchhier Vieler Sinne betäubt. Man steht nicht da als ein partheiischerLobredner der vergangenen Zeit und als ein eigensinniger Tadler derGegenwart, wenn man in die Klage ausbricht, es wolle fast den An-schein gewinnen, als wenn neben der Gemeinde, die dem Herrn huldigt,eine andere Gemeinde sich stellte, welche offenbarlich den Baalim huldigtund laut es ausspricht, daß sie nicht wolle, daß Christus als ihr Königüber sie herrsche. Außer der überhandnehmenden Zügellosigkeit und Zucht-losigkeit des großen Haufens, außer der immer herrschender werdendenGenußsucht bei Hohen und Niedern, über die auch zu andern Zeiten zuklagen war, ist noch hinzugekommen, was früher in diesen Gemein-den sich nicht fand, — eine weit verbreitete Bekanntschaft, namentlichunter den Gebildetern, mit der bösen, der unsittlichen Literatur des In-und Auslandes, — ja eine früher ganz und gar unerhörte Vertraut-heit mit eigentlichen antichristischen und gottesläugnerischen Erzeugnissender Schriftstellerwelt. — Und was soll man erst sagen von den Rotten-geistern, von den Sectirern, die theils von auswärts gekommen sindund theils aus unsern eigenen Gemeinden sich erheben, — was sagenvon den Undankbaren und Ungeistlichen, den Störrigen, die so sehr eilen,alle Bande der Dankbarkeit, welche an Gemeinde, an Hirten und Leh-rer sie binden sollten, zu zerreißen, und die, statt ihren Lehrern zu ge-