136sichten. Denn er konnte mit Sicherheit voraussehen, daß alledeutschen Völker zwischen Elbe und Rhein ihre Waffen gegenihn kehren würden, sobald sie, nicht mehr durch die Anwesenheit seiner Armeen bedroht, frei wählen konnten. Wäre esan den Rhein gegangen, so war er schon dadurch auf Verthei-digung beschränkt, er, der bisher immer in raschem Angrifseine siegreichen Waffen in die Hauptstädte seiner Gegner getra-gen und dort den Frieden dictirt hatte. Aber er durfte nichteinmal den Schein des Verlustes, der Niederlage dulden, dennan seinen Siegen hing seine Krone. Er war nicht der geborneFürst seines Landes — seine Thaten hatten ihn auf den Throngehoben — verloren diese an Glanz, so war das Fundamentseines Herrscherthums erschüttert. Darum konnte er keinenFrieden schließen, der mit Opfern erkauft werden mußte, durchden er gestand, besiegt zu sein; darum blieb er in Sachsen,um hier Alles an Alles zu setzen.Er befand sich in mißlicher Lage nach den ersten dreiWochen des neueröffneten Feldzuges.In einem großen Kreise hielten seine Feinde ihn umlagert,mit Ruhe und Vorsicht die Grundsätze ihres Planes ausführend,die ihn verderben mußten. Sie schlugen nur, wo sie dieStärkern waren. Warf er sich mit überlegener Macht aueines der drei ihn umschließenden Heere, so wich es zurück undverschwand seinem schlachtsuchenden Auge. Aber er konnte esnicht verfolgen, denn in seinem Rücken drang augenblicklichein zweites Heer vor, ihn mit Verderben bedrohend. Er mußtezurück, um diesem die Spitze zu bieten und augenblicklich ver-wandelte sich der Rückzug des ersten Heeres in VordringenSo ermüdete er seine Truppen durch unerhörte Gewaltmärscheso verloren diese immer mehr an dem Geiste des Muthes und derEnergie, der sie sonst auszeichnete, so zog sich der Kreis immer
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