124lungen, hoffte er auf die Möglichkeit der Anwendung desalten Systems bei Friedensschlüssen. Allein es waren in denVerhältnissen der Zeit große Veränderungen vorgegangenFrankreich war übermächtig gewesen, weil die Revolution diganze Kraft des Volkes entwickelt hatte. Dieser Volkskraftsetzten die Fürsten in allen früheren Kriege nur die geworbenenHeere entgegen — und darum erlagen sie. Jetzt aber stanNapoleon ebenfalls der Volkskraft gegenüber. Er war ihrin Spanien erlegen, er hatte sie in Rußland kennen gelernt —und hatte sie schon in Deutschland gefühlt. Das Verhältnißwar also jetzt umgedreht. Die französische Volkskraft warin seiner Hand zum Werkzeug seines Willens gewordenwährend die verbündeten Fürsten, wenigstens die deutschen,blos die Führer ihres kämpfenden Volkes waren.Napoleon hatte dies nicht erkannt, und das war seinFehler. Er hatte die Völker verachtet, das stürzte ihn. Ewar aus dem Oberhaupte eines freien Volkes dessen Selbst-herrscher und der Unterdrücker fremder Völker geworden, daskonnte nicht von Dauer sein. Er hatte die Liebe der Völkerverscherzt, selbst die seines eignen, denn er hatte nur ihrerRuhmsucht Opfer gebracht, nicht ihrer Freiheit.Uebrigens thut man Unrecht, wenn man Napoleondaraus einen moralischen Vorwurf macht. Wer vom Artillerie-Lieutenant zum Kaiser von Frankreich sich erhoben hatte, demmußte es ein kleiner Schritt dünken, sich zum BeherrscherEuropas zu erheben. Das Unrecht, nach den Rechten derVölker nicht zu fragen, willkürlich Grenzen zu ziehen, Städteund Länder bald dieser, bald jener Herrschaft zu unterwerfen,ohne zu fragen, ob diese es so wollen, ob nicht ihre Sittenihre heiligen Erinnerungen dadurch verletzt werden — dasUnrecht, die Menschen nur als Zahlen zu betrachten, mit
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