104wollte. Deshalb suchte er einen Waffenstillstand nur, um ihnzur Einleitung zu Friedensunterhandlungen zu machen, alsoaus politischen Gründen. Umgekehrt nahmen die Verbündetenden Waffenstillstand nur aus militairischen Gründen an, d. h.um die Zeit desselben zur Vervollständigung ihrer Rüstungenzu benutzen. Zwar wollten sie auch den Frieden, doch wußtensie recht gut, daß Napoleon, noch unbefiegt, nimmermehrdie Bedingungen eingehen würde, die ihre Ehre erforderte unddie ihre Unabhängigkeit garantiren konnten.Oesterreich hatte nach dem russischen Feldzuge die Roll-eines Friedensvermittlers — aber mit den Waffen in derHand gespielt. Dies war Napoleon lästig und unbequemund er konnte voraussehen, daß im Falle der Nichtverständigungdiese Macht eher gegen, als für ihn auftreten würde. Deshalbversuchte er schon vor der Schlacht bei Bautzen mit demKaiser von Rußland allein Unterhandlungen anzuknüpfenund wiederholte diesen Versuch nach dieser Schlacht mehrmals,ohne zum Ziele kommen zu können. Alexander vorRußland lehnte alle einseitigen Verhandlungen ohne seineVerbündeten ab, alle Vorschläge auf politische Verständigungwurden ferner an die Vermittlung Oesterreichs gewiesen, unddie militairischen Unterhandlungen wegen eines Waffenstillstandesmußten auf den Vorposten geführt werden, so daß das Hauptquartier der Verbündeteten für alle diplomatischen VersucheNapoleons unzugänglich war.Wenn nun Napoleon dennoch einen Waffenstillstandwünschte, denselben sogar mit Opfern erkaufte, da er bislangdoch siegreich gewesen war, so muß man daraus nothwendigschließen, daß er auf eine Verständigung der kriegführendenParteien oder auf günstigen Erfolg von Friedensunterhandlungen
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