103Während Napoleon selbst mit dem Hauptheere denVerbündeten folgte, hatte er von seiner linken Flanke mehrereAbtheilungen nach Norden entsendet, von denen die eineBerlin bedrohen, die andere Glogau entsetzen sollte. DieseFestung nämlich war noch in französischen Händen und wardin diesem Augenblicke von einem preußischen Corps blokirt.Dieses letztere *) zog sich vor der Uebermacht der auf Glogauanrückenden Franzosen bei Breslau vorbei auf Ohlau zurücknachdem es noch ein Gefecht mit dem Feinde bestanden hatteSo stand den Franzosen Breslau offen, welches sie auchbesetzten. Napoleon rückte selbst am 1. Juni hier einund behandelte die Stadt mit großer Schonung An demsel-ben Tage wurde Befehl zur Einstellung aller Feindseligkeitengegeben, da ein Waffenstillstand auf sechsunddreißig Stundenzu Stande gekommen war, dem bald ein längerer folgte.§. 9.Napoleon wollte den Frieden. Man hat ihm vorge-worfen, dies sei nicht wahr, er habe nur friedliche Gesinnungengeheuchelt. Aber dieser Vorwurf ist ohne Grund, er wolltewirklich den Frieden — aber auf Bedingungen, wie sie vonden andern Parteien nicht angenommen werden konnten. Dieungeheuren Verluste, die er vergangenes Jahr in Rußland,die Verluste, die er schon im diesjährigen Feldzuge erlitten,die Stimmung Frankreichs, das des Krieges müde war, dieLauheit seiner Bundesgenossen, die Stimmung Preußens, dasKampf auf Leben oder Tod wollte, die drohende StellungOesterreichs — alles das waren Gründe genug, die es nichtzweifelhaft machten, daß Napoleon den Frieden wirklich*) Unter General Schüler.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten