Druckschrift 
1813, 1814, 1815 : Volksbuch
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

105hoffte, also ernstlich den Frieden wollte. Hätte Napoleonden Waffenstillstand nur als Feldherr geschlossen, so wäre esein unverzeihlicher Fehler gewesen er schloß ihn aber alsMonarch aus politischen Gründen.Auf der andern Seite mußte den Verbündeten ein Waffen-stillstand sehr erwünscht sein. Denn Rußland gewann wäh-rend desselben Zeit, noch mehr Truppen herbeizuziehenPreußen, seine Rüstungen zu vervollständigen und Oesterreichmußte während dessen eine entschiedene Stellung nehmen.Der Waffenstillstand wurde zu Poischwitz am 4. Junigeschlossen. Die Hauptbedingungen desselben waren folgendeDer Waffenstillstand dauert sechs Wochen, die Feindseligkeitenbeginnen nach vorheriger sechstägiger Aufkündigung. Die Fran-zosen räumen Breslau und einen Theil Schlesiens bis zu einerLinie, die von der böhmischen Grenze bis an die Katzbach unddann diesem Flusse entlang bis zur Oder geht. Eben so istder verbündeten Armee eine Grenzlinie von der böhmischenGrenze über Landshut und Canth bis nach der Oder ange-wiesen. Das zwischen diesen beiden Linien liegende Land istneutral und kann von keinen Truppen der beiderseitigenArmeen besetzt werden. Eben so wird eine Linie dem Laufder Oder entlang, von da der Grenze zwischen Sachsen undPreußen und wo diese die Elbe berührt, der Elbe entlanggezogen und das Gebiet rechts von dieser Linie den Verbün-deten, das links den Franzosen eingeräumt. Wegen der bela-gerten Festungen waren besondere genaue Bestimmungenüber Verproviantirung u. s. w. getroffen worden. Am12. Juni sollten alle Truppen das ihnen angewiesene Gebietinne haben.Es ist leicht zu ersehen, daß dieser Waffenstillstand fürdie Verbündeten von wesentlichem Vortheile war, denn sie