sam schwindenden Nacht des Mittelalters zu erhellen. Diesesregere Leben zeigte sich eben in der letzten Hälfte des vorigenJahrhunderts in Deutschland.§. 6.Wenden wir den Blick auf das benachbarte Frankreich, sofinden wir es dort ganz anders. Dort hatte die königlicheGewalt Unumschränktheit erstrebt und gewonnen. WennDeutschland in viele kleine Staaten zersplittert, aller Einheitund jedes Mittelpunctes seiner Kraft entbehrte, so waren dieKönige von Frankreich mächtige Selbstherrscher geworden undihrem Willen gehorchte eine große Nation, ihm war eingroßes, schönes, reiches Land unterworfen. So geschah es,daß Frankreich ein politisches Uebergewicht erhielt, das eszum ersten, herrschenden Staate Europas gemacht haben würde,hätte nicht anfangs Oesterreich und Spanien, später Englandswachsende Macht zur See ihm das Gleichgewicht gehalten.Dieses System der unumschränkten Monarchie, oder die Ver-einigung der Kräfte eines großen Volkes in einem Willenhätte für das Land von dem größten Nutzen sein können, jasein müssen, wenn die Monarchen Frankreichs Männer vonTalent oder gutem Willen gewesen wären. Allein das Landerfuhr das Unglück, eine Reihe von schlechten Regenten nach-einander auf dem Throne zu sehen, wodurch es in dasbodenloseste Elend gestürzt wurde. Zwar gelang es unterLudwig XIII. und Ludwig XIV. Frankreich als eine bedeu-tende Macht aufzutreten, seinen Länderbesitz zu vergrößern, undseine Waffenmacht furchtbar zu machen, allein die dazu nöthi-gen fortgesetzten Kriege überhäuften das Land mit Schulden,raubten ihm seine kräftigsten Männer und gewannen ihm dochnie einen wesentlichen Vortheil. Dabei war die innere Ver-waltung so schlecht, als irgend möglich und nach des guten
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