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Sendschreiben der gläubigen Herde an ihre hochwürdigsten Oberhirten
Entstehung
Seite
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6Absicht zum wahren Vortheile unserer heil. kath. Kirche erlassensind und dies bei strenger Durchführung bewähren werden.Wenn wir aber Eure subjektive Ueberzeugung, die Ihr be-theuert, historisch erklärlich finden aus Vorkommnissen mit EurenAmtsvorgängern, die jene und viele andere unheilvolle Thorheiten,die jetzt jedes Schulkind verurtheilt, als ewige von Gott geoffen-barte Wahrheit darstellten, so dürft Ihr auch annehmen, daßAndere nach ähnlichen geschichtlichen Vorfällen nothwendig zu derAnsicht gelangen müssen, daß Eure Widersetzlichkeit gegen so weiseGesetze sich auf Verkehrtheiten (Ehrgeiz, Herrschsucht, Streben nachirdischer Gewalt, feindselige Gesinnung gegen Reich und Staat)gründet, die Ihr in Eurem Sendschreiben so beredsam zurück-weiset, Ansichten, die nach unserer Meinung, nicht Euch allein,sondern vorzugsweise Rom treffen. Seien wir beiderseitig gerecht!Wenn wir, hochw. HH., durch die Geschichte belehrt, Eure Gründe,die Rechtfertigung Eurer Widersetzlichkeit, als Eure ernste Meinunggelten lassen, so werdet Ihr unsere Einsprüche gegen Eure Haltung,als den Ausdruck reiflichster Ueberzeugung eben so, ja noch mehranerkennen müssen: Daß Alles, was Ihr gegen die Maigesetzevorbringt, nur vorgefaßte, von Rom zum Schaden des Reichesund der Kirche Euch aufgegebene Meinung und unbegründetesVorurtheil ist. Euch stehen Redensarten, uns Beweise zur Seite.Ihr behauptet, die Maigesetze ſeien ohne Zuziehung der Ver-treter der kath. Kirche verfaßt worden. Aber, habt Ihr nicht auchein weitgreifendes neues Gesetz, das Dogma der Papstunfehlbar-keit, geschaffen, ohne die Vertreter des Staates, der doch so tiefdadurch berührt wird, zu Rathe zu ziehen. Euer neues Gesetz istder erste Anfang der Zerwürfnisse, die alleinige Ursache, der soviel getadelten Maigesetze. Ihr habt zwar die verderblichenWirkungen Eures neues Gesetzes klar vorhergesehen und vorher-