Hochwürdigste Herren!Wir haben Euer letztes, bei Gelegenheit der Inhaftnahmdes hochwürdigsten Erzbischofs von Gnesen und Posen erlassenesSendschreiben an den Clerus und sämmtliche Gläubigen gelesen.Wir hatten gehofft, darin einen Anfang friedlicher Ausgleichungder zwischen Kirche und Staat schwebenden Differenzen zu findeneLeider aber lassen Eure Erörterungen auf immer weiter gehendeZerwürfnisse schließen. Diese traurigen Aussichten veranlassenuns, hochwürdige Herren, in gebührender Ehrerbietung, aber auchmit deutscher Offenheit Ihnen unsere Ansichten und Wünsche zuunterbreiten in der Hoffnung, den einzig richtigen Weg anzudeu-ten und anzubahnen, der zum Frieden führt. Ferne sei von unsdie Anmaßung, Euch belehren zu wollen.Ihr habt in Eurem Sendschreiben die vielfältig lautgewordeneAnklage, Revolutionäre, Rebellen zu sein, die kath. Kirche inDeutschland in schwere Drangsale gestürzt zu haben, bestrittenund die Staatsregierung beschuldigt, durch die neuen kirchen-politischen Gesetze die von Gott gewollte Freiheit, die von Gottgegebene Verfassung und die von Gott geoffenbarte Lehre der kath.Kirche verletzt zu haben. Ihr habt damit die tausendfach gehörtenVorwürfe, Schmähungen und Klagen gegen die Regierung überschreckliche, unerhörte Verfolgung, Schädigung und Vernichtungder kath. Religion 2c. 2c. nochmals zu bewahrheiten gesucht; aberEines nur, die Hauptsache, habt Ihr mitzutheilen unterlassen.Ihr habt es nicht klar gestellt und noch weniger bewiesen, daßder Staat seine Befugnisse überschritten, daß wirklich katholischeInteressen verletzt, daß und wo die Religion durch die Gesetze
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Sendschreiben der gläubigen Herde an ihre hochwürdigsten Oberhirten
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