4geschädigt, verfolgt und vernichtet worden. Worin besteht nundie unerhörte Verfolgung?Gern wollen wir glauben, daß Ihr wirklich meint, was Ihrsagt, obwohl wir mit Anstrengung aller unserer Geisteskräftenicht begreifen, wie ein wohlunterrichteter Mann der Meinung seinkönne, „es stehe mit Gottes ewigem Gesetze, mit der Lehre Christiund seiner heil. Kirche und darum mit dem bischöflichen Gewissenim Widerspruche und es heiße sogar die Gottheit Christzleugnen, wenn Ihr die vom Maigesetze vorgeschriebene An-zeige der Anstellung oder Versetzung von Geistlichenin Preußen beim Herrn Oberpräsidenten machet.Und die beharrliche Verweigerung der gesetzlichen Anzeige istdoch allein die Ursache aller Eurer bisherigen Bestrafungen undder gerechte Grund der Inhaftnahme des Erzbischofes von Posen.Diese Anzeige und die Maigesetze haben mit dem katholischenGlauben gar nichts zu thun. Weder in den Geboten Gottesnoch in der Lehre Christi finden wir etwas, woraus sich einVerbot solcher Anzeige deuten läßt. In der heil. Schrift, in denBriefen der Apostel und den Büchern unserer Kirchenväter istNichts dagegen enthalten. Wir wissen aber, daß solche Anzeigen,die im Wesen des Staates liegen, Jahrhunderte hindurch ohneNachtheil für die kath. Religion bei unseren Vätern gemacht wor-den, daß sie in anderen kath. Staaten bis heute von den Bischöfennicht verweigert werden und daß Ihr, hochw. HH., selber dieseAnzeige in außerpreußischen Gebietstheilen Eurer Diözesen machet,während dieselbe in Preußen zu machen, Euer Gewissen ver-letzen soll. Wir können nicht begreifen, daß dies von klimatischenoder in sonst von Gott angeordneten Verhältnissen liegen soll undvermögen es nur dadurch zu erklären, daß Ihr zwei Gewissen habt,ein preußisches und daneben ein hohenzollersches, hessisches oder
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Sendschreiben der gläubigen Herde an ihre hochwürdigsten Oberhirten
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