Es ist wahr, Freunde, die Kanzel erscheint in un-sern Tagen vielfach zu einer Comödiantenbühne her-abgewürdigt; die Predigt zu einem Gegenstande heuch-lerischen Zeitvertreibs, empfindelnder Ergötzung. Blü-melnde Redensarten, tändelndes Rührspiel forderndie Gemeinen. Wehe aber den Predigern, die, ihresBerufes vergessend, solchem Gelüste Vorschub thun,und ihm die Wahrheit, die heilige und strenge opfern.Das Erdenleben ist so bedeutungsvoll, als kurz; dieEwigkeit so nah, als ernst; der Herr so gerecht, alsheilig; der Himmelsweg so schmal, als unbekannt;die Zeit, in der wir leben, so verblendet, als aufge-blasen, und die große Masse so in Schlaf gelullt,als von kräftigen Irrthümern bedroht, wo nicht schonangefressen. Da gilts denn wohl, nicht zu tändeln,sondern zu rufen wie eine Posaune, und die schlafen-den Donner des göttlichen Worts zu wecken: dasWort: „Wache auf, der du schläfst, stehe auf von„den Todten, daß dich Christus erleuchte!“ DasWort: „Schaffet, daß ihr selig werdet, mit Furcht„und Zittern!Erlaubt mir, daß ich mit solchen Klängen heuteauch euch begrüße. Jagt ihr doch mit mir demGrabe, der Ewigkeit, dem Gericht entgegen, und be-dürft ihr doch ebensowohl, wie ich, der Bereitungzum Bestehen vor Gottes Thron, der Errettung undErlöſung.Segne der Herr das zu redende Wort zur Er-weckung und Erleuchtung unsrer Herzen.
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