112Und ach, mein armer Bruder ist verstricktdurch eine Zauberin — vielleicht, o Himmel!vielleicht mit ihr verloren vor dem Herrn!(sie trocknet sich die Thränen ab).Erzbischof.Laßt uns das Beßte hoffen. Sammelt Euch!Sybille.O wie viel Thränen hab' ich schon geweint!Was hab' ich ſchon geredet und gethan,um meinen Bruder von ihr abzuziehn,eh ihn der Schwindel faßt der neuen Lehre,zu der sie heimlich ihn verlocken will!Umsonst! Er ist ganz umgeschaffen, völligverwandelt, seit ihr Hauch ihn angeweht.Ja, also hat sie seiner sich bemächtigt,daß er wie ein Gefangner ist zu achten.Verschlossen fest vor seiner eignen Schwesterist seine Thür, entsetzt sind seine Räthe.Ein feiler Knecht, der seines ritterlichenStammhauses unwerth ist, befiehlt im Land,durch einen Vollmachtsbrief, den sie erschlich.Es ist derselbe, dessen meine Schrifterwähnt, auf den sie schamlos eine Liebe,die sie dem Gatten schuldet, übertrug.In diesem Jammer hab' ich auf den Kaiserden Blick gewendet, hab' ihn angefleht,uns zu befrein von der Macht der Bosheit,und nicht zu dulden, daß die Sünde herrsche.Und Euch, hochwürd'ger Herr, der Ihr im Namendes Kaisers uns erschienen, wie ein Engel,Euch bitt' ich, nehmt Euch unser gnädig an!Hört die Beschwer der Stände, hört die Zeugen,nehmt uns den Eid ab, prüft streng, und richtet!
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