111Ludwig des Strengen ohne Beispiel istim deutschen Reich. Und wie bereute Ludwigdas Bluturtheil — denn schuldlos starb sein WeiblBedenkt, Erlauchte, welcher RechenſchaftIhr Euch muthwillig blosgebt, wenn Ihr nichtgewiß seyd Eures Werks. Zweischneidig istdas Schwert, Ihr wißt es, der Gerechtigkeit.und drohend schwebt es zwischen dem Beklagtenund seinem Kläger, gleich geschärft für beide.Doch wenig ist die Rechenschaft vor Menschen,wo Euch die größere vor Gott erwartet.Bedenkt, wenn Ihr nach trügerischem Scheingeurtheilt hättet, und in Schmach und Drangsalein schuldlos Haupt gestürzt, wie wolltet Ihrbestehn vor dem, vor dem der Schein vergeht?Dies alles führ' ich jetzt, erlauchtes Fräulein,Euch zu Gemüth, und rette meine Seele.Sybille(kniet neben ihm nieder, die Hände gefalten, heuchlerisch).Hochwürd'ger Herr! erlaubt mir, daß ich michdemüthige vor Euch, wie mir's geziemt.Und was ich sage, nehmt es gnädig auf,wie das Bekenntniß einer Beichtenden.Zuerst erklär' ich, mein friedliebend Herzhat immer nach Versöhnung sich gesehnt.Doch immer neu beleidigt, neu gekränkt,verschloß es sich zuletzt vor so viel Bosheit.Dann aber glaub' ich, daß mir eine Pflicht,die heiligste von allen, mir gebeut,hervorzutreten, und das Wort zu führen.Wär' ich allein verletzt, ich würde schweigen,wie's einer frommen Dulderin geziemt.Hier aber ist der Staat, hier ist die Kirchebeleidigt, ja, verhöhnt auf's bitterste.
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