Druckschrift 
Beiträge zu einer Familien-Geschichte der Freiherren von Wangenheim beider Stämme, Wangenheim und Winterstein ...
Entstehung
Seite
793
Einzelbild herunterladen
 

Stamm Winterstein. IV. Viertel.

793

wurde darauf Hofmeisterin bei der Gräfin von Gleichen zu Ohrdruf X1 "- ? e

" ul _ Doration.

und als solche führte Balthasar die 35jährige Witwe heim und zeugtemit ihr noch zwei Kinder, einen am 9. December 1611 geborenen SohnFriedrich und eine am 7. März 1613 geborene Tochter BenignaElisabeth.

War somit Balthasars Wunsch am späten Abend seines Lebensnoch erfüllt, so genoss er auch noch volle 17 Jahre die Freuden einerglücklichen Ehe an der Seite dieser tüchtigen Frau, welche ihm am 1.März 1628 die Augen zudrückte und nun noch über 5 Jahre mit ihrenKindern in ihrem Witwenstande zubrachte, die Gräuel und Verwüstungendes 30jährigen Kriegs mit einem Brande auf dem Gute 1631 und miteiner Plünderung im Herbst 1632 erlebte. Diese Plünderung veranlasstesie zur Flucht zu ihrem Schwiegersohne Jobst v. Reckrodt zu Neu-enhof, wobei sie sich eine schwere Krankheit zuzog, trotz welcher siesich nach Neujahr 1633 nach Grossenbehringen bringen Hess, sichaber nicht erholen konnte und am 13. März 1633 im Alter von 57 Jah-ren verschied.

Sie wurde neben ihrem Gemahl beerdigt, welcher sich, statt des üb-licher Weise auf den Sarg zu legenden Degens, lieber Dr. LuthersCatechismus mit in den Sarg hatte legen lassen, wie er es in seinemletzten Willen verordnet hatte. Nachdem Bernhardt, sein Vetter, vorihm 1615 gestorben und ihm selbst ein Sohn und eine Tochter geborenwar, hatte er bereits 1618 ein Testament errichtet, welches uns nur durcheinen Extrakt aus demselben (Nro. 444 der IL Sammlung) und durchdie Anführungen in seiner Leichenpredigt bekannt geworden ist. DerKirche zu Grossenbehringen vermachte er zur Verbesserung derPfarr-Einkünfte 300 Gülden.

93. Bernhardt,

Balthasar des Aeltern einziger überlebender Sohn, war jünger als seinobiger Vetter Balthasar, aber doch auch 1571 beim Tode seines Vatersschon mündig. Er hatte seiner Mutter Catharina von Bodenhausennach einem zwischen ihr und ihm nach dem Absterben des Vaters errich-teten Vertrage, welcher am 26. September 1571 lehnherrlich bestätigtwurde (Nro. 435 der IL Sammlung), an Witthum alljährlich zu Michaelis,von Michaelis 1571 anfangend, 50 Gold-Gulden, jeden Gulden zu 26 Gr.gerechnet, und ausserdem in zwei Malen, halb zu Martini und halb aufMariae Reinigung (2. Februar), jährlich 15 Malter Waitzen, 15 MalterRocken, 12'/-2 Malter Gerste und 12>/ 2 Malter Hafer in ihre Behausungzu liefern, eine Getreide-Lieferung, welche nach heutigen massigen Durch-schnittspreisen wenigstens 380 $ werth sein würde, während die 50 Gold-Gulden sicher den zehnfachen Geldwerth gegen den gegenwärtigen hatten.