420 78. Doraus mea domus oracionis vocabitur.
den man in dis riche die rihte kummet: daz erste das ist warer gloube, dasander daz ist ein vernunftig bekennen Götz, das dirte das ist gebet. Welichist nu gloube? ensint nüt alle cristenlüte glöubige lüte? Wissest, also uf demkirchofe sint vil doten, also sint in der heiigen kirchen vil und manig mensche5 dot und schinent lebende und sint in der worheit dot. Was ist nu ein lebendiggloube? das enist nit anders wan ein lebendiger gunst zu Gotte und zu allemdem das göttelich ist. Ein mensche höre oder sehe oder was den glouben an-hört, es si von der gotheit oder von der menscheit oder die drivaltikeit oderwaz daz si, der mensche vindet in ime einen lebendigen glouben der in bas
10 wiset das Got ist, und ime klerlicher inne ist danne ime alle meister kunnentgesagen, wanne er lebete und wonete in dem innewendigen riche do diz lebenuss quillet uss sime eigenen burnen. Ander lüte, der leider vil ist, sü hangentwol an dem leben, aber des wölken mag gar lihte sin, also obe der sunnen-schin ein lebende ding were das sich bewegete, und ein wölken darüber ginge,
15 so verginge das leben, also mag der wölke der sünden gar lihte sin, der disleben zu mole in ime bedecket und benimmst, wenne es ist gar kräng.Kummet wol über die lebenden lüte ein wölken der sünden, also alle menschensint gebrestlich, so tringet die sunne, das leben, dardurch und kummet zühantsnelleclichen wider, wan das leben het do gewurtzelt, dovon kummet es wider,
20 es tringet do durch, es flühet do von. Wanne dise andern vallent, so blibentsü, wanne sü kumment nüt; kumment sü in, so vindent sü einen doten huntdinne ligen, ein doten hunt: er stincket, trag in uss, er ist dot! einen lewendürren kalten doten menschen, der swer ist zu allem dem daz götelich ist undGot angehöret; er wer selig ob er doch hangende blibe an dem leben; wie
25 wenig es were, er wurde behalten; wurde er do inne funden, er kerne zujungest zu himelrich, wurde es ime joch gar zu lang. Aber des mag gar lihtesin daz sü abevallent, wanne sü hant nüt weg noch wise in sich selber zukörnende, danne alleine wonent sü in disen ussern dingen und werdent als itelund dürre und in selber verre und frömde. Aber die edeln lebenden lüte die
30 wonent in dem leben und bevindent innewendig dis leben, und die wissent voninnewendikeit von der worheit, und waz den lüten ussewendig begegent dasgöttelich ist, das erwecket das innewendige leben mit einer neigunge, mit einerminne, mit eime wolgevallen daz in ir ist, und anders nüt; sü wonent in deminnewendigen riche und do smackent sü; das müs den verborgen sin die dar
35 nüt enkumment. — Das ander ist ein vernunftig bekennen Gottes; das vindetman in disem, man endarf sich hernoch nüt spannen noch verre suchen; manvindet es in disem, es endecket sich selber; dis lieht lühtet hie; hie kummetman in dis riche zu der rehten türen in, nit binden in; in die rehte Strassekummet man hie. Disen mag man wol sprechen: 'daz riche Gottes ist in üch';
40 dise vindent die worheit die allen den unbekant ist die doheime nüt enwonent,und ist den allein bekant die doheime wonent; sü vindent daz sant Dyonisiusschribet, das do ist übervernunftig, übergedenglich, überverstentlich, das lieht