Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

XV. Kapitel.

DAS BÜNDNIS GEGEN KARL VIII.

Karl VIII. hatte nach seinem Abzüge aus Florenz seinen Marschnach dem Süden fortgesetzt, beladen mit den Flüchen der Floren-tiner, aber vom Himmel gesegnet. Es war, als räumten ihm un-sichtbare Hände überall die Hemmnisse aus dem Wege, die sei-nem Vordringen hätten Einhalt gebieten können. Keine Festungwiderstand ihm, alle Tore öffneten sich ihm wie von selbst. MilSchrecken sah ihn der Papst näher und näher rücken. Er warvon Natur feig und hatte ein schlechtes Gewissen 1 . Wie einDamoklesschwert schwebte die Berufung eines Konzils, seine Ent-larvung als schnöder Simonist und seine Absetzung durch denKönig, die man ja auch allgemein erwartete, über seinem Haupte 2 .An bewaffnete Gegenwehr war nicht zu denken. Beim An-märsche der Franzosen fiel ein Teil der Stadtmauern von selbstein, was man als ein schlimmes Vorzeichen für ihn und als einewunderbare Fügung des Himmels ansah 3 . Am 31. Dezember1494, am Feste desselben Papstes Silvester, der einst der Über-lieferung gemäß von Kaiser Konstantin mit Besitzungen undReichtümern aller Art überhäuft worden war, zog der neue Kon-stantin in demselben Rom ein, um, wie man glaubte, den sünd-haften Nachfolger jenes Silvesters seiner Würde zu entkleiden 4 .Der Papst war in heller Verzweiflung. Allzu tief hatte er sich mitden Aragonesen eingelassen, als daß er es hätte wagen dürfen, siezu verraten; und doch sah er kein Mittel und keinen Ausweg,dem Franzosen Trotz zu bieten. So flüchtete er denn mit denihm noch treu gebliebenen Kardinälen in die Engelsburg, ent-schlossen, den Leib des Herrn sowie die Häupter der Apostel-fürsten auf ihren Mauern aufzustellen; auf sie, die kostbarstenHeiligtümer der Christenheit, mußte der christlichste König dannschießen, wenn er die Engelsburg angreifen wollte 5 . In der Tatließ Karl VIII. seine Artillerie zweimal auffahren. Hätte er sie inTätigkeit treten lassen, so hätte er die verwitterte Festung sehr