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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
287
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KARL VIII. IN ROM 287

bald in einen Schutthaufen verwandelt; stürzte doch eben jeztein Stück ihrer Mauern von selbst ein, was den Franzosen wieItalienern wieder wie ein Wunder erschien*. Ohne Schwert-streich hatte er die wichtigsten Plätze der ewigen Stadt besetzt;somit hatte er den Papst in seiner Gewalt, und es stand nun beiihm, den schmachbedeckten Borja zur Rechenschaft zu ziehen,das Konzil zu versammeln und die heißen Wünsche der Christen-heit nach einer Reform der Kirche zu verwirklichen. Die Kar-dinäle Julian Della Rovere, Askanio Sforza, Peraudi, Savelli undColonna drängten ihn unablässig hierzu; die Kardinäle Lunati,Sanseverino und de la Grolaie standen durchaus auf ihrer Seife 7 .Aber von all diesen großen Dingen geschah nichts. Die Männer,die den König berieten und lenkten, der Seneschall Vesc und derBischof Brissonet von S. Malo, wurden in Rom sehr baldanderen Sinnes. Ersterer brannte vor Ungeduld, in Neapel seineTaschen zu füllen, und vergaß, vom Papste bestochen, seinen gan-zen Reformeifer 8 ; letzterer aber bediente sich des Konzils immernur als eines Schreckmittels, um den Papst einzuschüchtern undzur Erfüllung seines Herzenswunsches nach dem roten Hutegefügig zu machen". Nun stillte ihm Alexander VI. diesenSchmerz und rettete hierdurch seine Tiara 10 . Ans Ziel seinerWünsche gelangt, hatte es Brissonet mit dem Konzile nicht mehrsehr eilig. Er verleugnete es zwar nicht geradezu, aber erbeschwichtigte die ungestümen Reformer mit der Beteuerung, dasKonzil werde nächstens nach Ferrara einberufen werden 11 . DemKönige aber empfahl er im Einvernehmen mit dem Seneschall,mit der Reform der Kirche vorerst noch zuzuwarten, um denneapolitanischen Zug nicht zu gefährden; nach der EroberungNeapels lasse sich die schwierige Angelegenheit immer nochschlichten 12 . Der König fügte sich den Ratschlägen seiner Ge-treuen und stellte sich wider alles Erwarten so gut zum Papste,daß es allgemein hieß, er sei von diesem mit Neapel belehnt undzum Kaiser von Konstantinopel erhoben worden 13 . Es ging auchdas Gerücht, er habe Münzen mit der Umschrift prägen lassen:Karolus Imperator" 14 . Als er am 28. Januar 1495 Rom verließ,führte er des Papstes Lieblingssohn Cesare als Geisel mit sich undhatte Dschem 15 in Händen, den in die Gewalt der Christen gerate-nen, bisher vom Papste bewachten Bruder des Sultans Bajazet IL,der unter den Türken noch immer großen Anhang besaß und im