288 DAS BÜNDNIS GEGEN KARL VIII.
geplanten Kampfe wider sie die wertvollsten Dienste leistenkonnte 16 .
Unaufhaltsam wie bisher rückte Karl VIII. gen Neapel vor. Mitunheimlicher Sicherheit kam er den Grenzen des bestrittenenReiches, kam er der Hauptstadt immer näher. König Alphonsward von Grauen und Entsetzen geschüttelt. In seinen schlaf-losen Nächten war es ihm, als riefen selbst die Bäume undFelsen nur immer „Frankreich", „Frankreich" aus 17 . VonGewissensbissen ob seiner früheren Blutgreuel gefoltert, entsagteer dem Throne zugunsten seines Sohnes Ferdinand II. und zogsich in das Olivetanerkloster zu Messina zurück, wo er als reuigerBüßer am 21. November 1495 verschied. Aber auch Ferdinand II.vermochte dem französischen Heere nicht standzuhalten undsuchte auf der Insel Ischia Zuflucht. Am 22. Februar rückteKarl VIII. in Neapel ein, vom Volke als ein zweiter Messias mitdem Jubelrufe begrüßt: „Gepriesen sei, der da kommt im Namendes Herrn 18 "! Seinen feierlichen Einzug veranstaltete er jedocherst am 12. Mai, und er machte hierbei kein Hehl daraus, daß ersich als Kaiser Karl fühle, als Nachfolger des großen Karl. Mitden Abzeichen der kaiserlichen Würde geschmückt, ritt er in dieStadt ein, angetan mit dem Hermelinmantel, mit dem Reichs-apfel in der Rechten und dem Zepter in der Linken 10 .
Das Unglaubliche war Tatsache geworden. Karl VIII. warHerr von Neapel. „Wie ein Blitz 20 " war er von einem Ende derHalbinsel bis zum anderen vorgedrungen. Die Zeitgenossenwaren von einem Erfolge wie geblendet, der ihnen gleich einemMärchen vorkam. Alexander der Große und Julius Cäsar, urteil-ten sie, errangen in so kurzer Zeit keine Triumphe, wie sie ihmbeschieden waren; viele Jahrhunderte verflossen und viele wer-den verfließen, ehe man solches wieder erlebt 21 . Der Himmelselbst schien mit dem französischen Könige im Bunde zu stehen.Seit Menschengedenken war ein so milder Winter nicht mehr ein-gefallen. Weder eisige Winde noch Schneestürme und Regen-schauer erschwerten den Marsch und die Verpflegung der Mann-schaft und Tiere. Wie im Frühlinge prangten die Felder inüppigem Grün und boten den Rossen mitten im Januar reichlicheNahrung. Freund wie Feind stand unter dem überwältigendenEindrucke, eine höhere Macht habe hier eingegriffen, Gott selbstsei es gewesen, der den König geleitete samt seinem Heere 22 .