gefrevelt. Hierzu kommt, daß Napoleon der Nation, an deren Spitzeer stand, und die Deutschland seit Jahrhunderten so große Unbildenzugefügt hat, durch Abstammung und Geburt gar nicht einmal ange-hörte: er war Korse! Man darf ihn in Deutschland verehren, ohneden Vorwurf auf sich zu laden, daß man deshalb die gegen unser Va-terland gerichteten Gesinnungen und Bestrebungen Derjenigen theile,die er so lange beherrscht hat. Es ist eine lediglich der Größedes Menschengeistes, nicht aber dem Franzosenthume dargebrachte Hul-digung.Wenn der Ausländer so fühlt, welches müssen wohl die Empfindun-gen des Franzosen sein, wenn der Name Napoleon ausgesprochen wird!So unläugbar, so groß sind die Wohlthaten, welche dieser gewählteFürst Frankreich als Ordner zerrütteter Zustände, als Verwalter, alsSchöpfer materieller Wohlfahrt, als Gesetzgeber, erwiesen hat, daß dieFranzosen hauptsächlich das zu bedauern haben, was dieses so leichtvom Glanz bestochene Volk höher als Alles schätzt, den Kriegsruhm,den als Kaiser zu erwerben, Napoleon durch Verhältnisse der innernund äußern Politik, beide ein Vermächtniß der Revolution, sich hinge-rissen, ja gezwungen gesehen hat. Wie schmerzlich tief auch in dieSeele jedes Deutschen die Namen Ulm, Austerlitz, Jena, Wagramschneiden, ist es doch nur natürlich, daß sie den Franzosen als diehöchste Verklärung ihres Nationalruhmes strahlen. Mit gerechtem Stolzdenkt jeder Franzose der Zeit, wo Amsterdam und Rom, Hamburg undTurin, Brüssel und Florenz „gute Städte“ des Reiches waren; mitStolz der Zeit, wo Napoleon Königreiche verschenkte und Monarchenin seinem Vorzimmer harren sah; mit Stolz der Zeit, wo Frankreichallgewaltig in Europa war, und über Holland, Deutschland, die Schweiz,Illyrien, Italien und Spanien sein eisernes Scepter ausstreckte. Unddes Mannes, der das Alles vollbrachte, sollten sie nicht mit feurigerLiebe gedenken, mit einer Liebe, die im Vergleich zu dem Hasse an-schwellte, den ihnen die Bourbonen, und zu der Gleichgültigkeit, dieihnen deren Nachfolger einflößten! und mußten sie nicht stets die tiefsteDemüthigung fühlen, so lange die Asche ihres größten Mannes alsTrophäe in britischer Erde versenkt blieb!
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