Es war klar, daß früher oder später der Wille des sterbenden Kai-sers, „am Strand der Seine zu ruhen, in Mitte des Volkes, das erso innig geliebt“, in Erfüllung gehen müsse. Der erste Versuch dazugeschah gleich nach Eröffnung des Codicills vom 16. April 1821, inwelchem jener Wunsch ausgedrückt war. Die ernannten Testaments-vollstrecker, die Generale Montholon und Bertrand, begaben sich mitdem getreuen Marchand zu dem Gouverneur von St. Helena, SirHudson Lowe, der die Strenge der Bewachung seines Gefangenen überalle Grenzen der Nothwendigkeit ausgedehnt und eine widerwärtigePflicht mit schamloser Härte und empörender Großprahlerei erfüllt hatte,theilten ihm jene letztwillige Anordnung mit, drangen in ihn und batenum Erlaubniß, ihr Folge leisten zu dürfen. Sir Hudson erklärte,daß der „General Bonaparte“ auf der Insel begraben werden müsse,wie dies ein schon im Jahre 1820 von dem Minister Lord Bathurstertheilter Befehl strenge vorschreibe. Diese Anordnung erschien in derThat dem damaligen Zustande von Frankreich angemessen; die Bour-bonen regierten, der Herzog von Reichstadt lebte noch, und die Folgen,wenn plötzlich ein Schiff mit den Überresten des Kaisers in einem fran-zösischen Hafen vor Anker gegangen wäre, würden gar nicht zu berech-nen gewesen sein. Die Bourbonen hatten das auf die Volkssouverai-netät gegründete Recht der Herrschaft Napoleon's niemals anerkannt,Ludwig XVIII. schrieb sich „von Gottes Gnaden, König von Frankreichund Navarra“, und datirte die Jahre seiner Regierung vom Tode Lud-wig's XVII. an, er hatte einen Preis auf seinen Kopf als Aufrührergesetzt: wie wäre es da denkbar gewesen, daß die Asche Napoleon'sin Frankreich ihre letzte Ruhestätte finde. Dennoch möchte es dieHandlung einer richtigen Politik gewesen sein, wenn König Ludwigden Beschluß gefaßt hätte, die Reste Napoleon's nicht als des Kai-sers und Königs, sondern als des großen Feldherrn, der die Fran-zosen so oft zum Siege geführt, von den Engländern zu fordern und inFrankreich bestatten zu lassen. Diese That des Muthes und derKlugheit würde den Bourbonen eine größere Popularität erworbenhaben, als die nachherige Eroberung von Algier, so sehr sie auch demStolze der Franzosen schmeichelte, und man würde, wenn man Napoleon
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