40Und selten mag's der Fall sein, daß bei solcher Veruneinigung der eine Theil ganz rein undschuldlos ist. Mag das Unrecht vornemlich auf dereinen Seite sein, auf der andern mangelt dann dochmeist die Sanftmuth und Demuth, die Freundlich-keit und Geduld, die auch ein unrechtes Wort undThat tragen und vergeben kann; es mangelt dieLiebe, die langmüthig, freundlich ist, sich nicht bläht,nicht das Ihre sucht und sich nicht erbittern läßtund nicht eifert, die alles verträget, alles glaubet,hoffet und duldet.Wie oft mag auch ich in meinem Leben hierines versehen haben, auch wo ich es selbst nicht mehrweiß. Ich bitte den Herrn, mir auch die verbor-genen Fehler, die ich in diesem Stück begangen,zu vergeben; wo aber jetzt in meinem Herzen eingeheimer Groll oder Haß oder auch nur Kälte ge-gen einen meiner Mitchristen wohnen möchte, denSchaden mir aufzudecken, damit ich hingehen undnach seinem Befehl mich versöhnen möge mit mei-nem Bruder; ich bitte Ihn, mich völliger und tie-fer in Seiner Liebe zu gründen, damit ich SeinemBilde auch darin ähnlicher werde.Und frage ich mich nun noch weiter, nach derAnwendung meiner Zeit, nach der Treue in Benu-tzung eines jeden von Gott mir vertrauten Pfundes:habe ich Deinen heiligen und guten Geist nicht oftbetrübt oder ihm widerstrebt? habe ich die Stundenmeines Lebens recht ausgekauft, Dir zu dienen undnäher zu kommen? — war Gottes Wort meineSpeise, und habe ich es reichlich bei mir wohnenlassen und bewegt in meinem Herzen? war ich treu
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