39Auch darüber sei denn wahr, sei aufrichtig,mein Herz! Wie war's bisher mit mir in diesemStücke? Ach, das selbstsüchtige Menschenherz hatkeine wahre ungefärbte Liebe, bis es etwas von derLiebe dessen erfährt, der uns umsonst aus lautermErbarmen zuerst geliebet hat. — Aber auch dannkann die Liebe oft noch eine gefärbte, unächte sein,die in dem Andern nicht Christum liebt, sondernetwas Anderes; auch dann kann sie nach demWorte schmecken: so ihr liebet, die Euch lieben,was Danks habt ihr davon? die Sünder liebenauch ihre Liebhaber; auch dann kann das Herznoch oft, für Zeiten wenigstens, in herzlose Kältegegen seine Mitbrüder, in schnöde Eigenliebe, odergar in Bitterkeit, Feindschaft und Groll zurücksin-ken. Ist denn vielleicht zwischen mir und einemmeiner Mitbruͤder auch eine Trennung, Entfrem-dung der Herzen, oder ein Verhältniß der feindse-ligen unbrüderlichen Stimmung vorhanden? O dasmuß hinweg, ehe ich zum Tische des Herrn gehe,denn auch hier gilt das Wort des Herrn: so dudeine Gabe auf dem Altar opferst und wirst alldaeindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe,so laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehehin und versöhne dich zuvor mit deinem Bruder,und dann komme wieder und opfere deine Gabe.Und nach diesem Worte darf ich mich nicht dabeiberuhigen, daß etwa nicht an mir, sondern an mei-nem Nächsten die Ursache des Mißverhältnissesliege; — nein, so dein Bruder etwas wider dichhat, sagt der Herr, so gehe hin, dich zu versöhnen.
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