584 DAS ENDE
Pontevecchio aus in den Arno werfen ließ, so daß von ihnenkeine Reliquien übrig blieben, es sei denn, man fischte im Arnonach ihnen mit Netzen. „Das waren", so schließt der Gesandtedes Mohren seinen Bericht über die Hinrichtung 86 , „die Wunderdes Propheten Frate Hieronymus, der zu sagen pflegte, er werdedie Welt mit seinen Zeichen in Staunen versetzen."
Ein so schauerliches Ende ward einem Manne bereitet, der zeit-lebens den Wandel eines Heiligen geführt hatte! So lohnte dasflorentinische Volk seinem Propheten, dem es so vieles zu dankenhatte! So sah die „Kultur der Renaissance" in der Nähe aus! Soging der Orden des heiligen Dominikus mit einem seiner edelstenSöhne um! So betrieb Alexander VI. die Kirchenreform! Savona-rola am Galgen, ein Scheusal wie Borja aber auf dem Stuhle desheiligen Petrus — das war die Lage der Christenheit!
Noch am Tage der Hinrichtung erstatteten die Kommissäredem Heiligen Vater Bericht über den Erfolg ihrer Sendung 87 . DieUntersuchung, schrieben sie, ergab, daß sich die drei Mönche inunüberbietbare Irrtümer und Ketzereien verstrickt hatten. DerFrate habe seinem eigenen Geständnisse gemäß 14 Jahre hin-durch nur zum Scheine gebeichtet und dennoch jeden Tag Messegelesen, den Silvester und viele andere Brüder zur Verletzung desBeichtsiegels aufgefordert, den Bürgerkrieg geschürt, eineHungersnot verursacht, mehrere vornehme Männer dem Todeüberliefert, die Sakramente mißbraucht, den Kirchenbann miß-achtet und seine Anhänger überredet, sich selbst auf dem Sterbe-bette nicht lossprechen zu lassen. Er habe die päpstliche Binde-gewalt über ihn bestritten und viele Herrscher zum Schisma auf-gefordert! Er habe durch die Beteuerung, wenn er lüge, solüge auch der Gekreuzigte, diesen gleichsam zum Urheber seinerVerrücktheiten gemacht. Dominikus aber habe häufig gepredigt,eher würden die heiligen Engel und die seligste Jungfrau vom Him-mel fallen, als daß eine Weissagung des Frate nicht in Erfüllunggehe. Und er habe Gott beschworen, er möge ihn, falls er lüge,durch den Strang enden lassen, seinen Leib in Asche verwandelnund dem Winde und Regen preisgeben. Nachdem die verruchtenMenschen nach nur sehr wenigen peinlichen Verhören ihre Ver-brechen gestanden hatten, seien sie gehängt und verbrannt undihre Asche in den Fluß gestreut worden, auf daß von der Weis-sagung des Bruders Dominikus ja nichts unerfüllt bleibe.