DIE VERHÖRE DER FRATESCHEN 563
kehrte sehr viel mit dem Frate, doch bemerkte ich nie, daß er ge-heime Verabredungen mit Bürgern getroffen hätte, glaube auchnicht, daß solche in S. Marco je stattfanden. Der Frate kannteüberhaupt nur wenige Bürger, während allerdings Silvester stetsvon Leuten wie Andreas Cambini, Franz Davanzati, Franz delPugliese, Lukas Corsini, Bartholomäus Redditi, HieronymusBenivieni, Dominikus Mazzi'nghi und anderen rechtschaffenenMännern umgeben war, die alle nur in frommer Absicht kamen,gleich uns allen begeistert von seiner guten Lehre, wie wir mein-ten. Niemals konnte ich etwas Unrechtes am Frate beobachten,vielmehr gewahrte ich an ihm immer nur deutliche Anzeichender Heüigkeit und Frömmigkeit, Demut, Andacht, erbaulicheReden, musterhafte Sitten, eine wunderbare Lebensführung undeine gesunde, feste und gediegene Lehre, und ich wäre bereit ge-wesen, zur Bekräftigung dessen, jeden Tod zu erleiden. Da eruns nun aber alle so schlau zum besten hielt, so danke ich Gottund der Signorie für die Aufklärung. Und da wir gestern er-fuhren, ihr wollet uns Dominikus und Silvester zurückschicken,so möget ihr wissen, daß wir sie auf Grund gemeinsamen Be-schlusses nicht wollen. Behaltet ihr sie und verfahret mit ihnennach euerem Belieben, oder der Papst und der Ordensgeneral!Wir aber wollen unser Gewissen nicht mit fremder Sünde be-lasten."
Wie den Frate selbst und seine beiden Genossen, so unterzogman auch die bekanntesten Frateschen dem peinlichen Verhöre;die ganze Nachbarschaft des Bargello widerhallte von den gellen-den Schmerzensschreien der Gemarterten 112 . Freilich waren diesmeist nur geringere Leute, die Vornehmen und Führer hatten sichlängst in Sicherheit gebracht. Man fand keine Schuld an ihnen 113 ,weshalb denn auch nach langen Beratungen 1 " der Beschluß ge-faßt wurde, äußerste Milde walten zu lassen und nur auf Geld-strafen und zeitweiligen Ausschluß von den Ämtern zu erkennen;die Vornehmen wurden zu größeren Zwangsdarlehen verurteilt 116 .Zu den Gefährdetsten zählte Franz Pugliese, der SchwiegersohnBonsis, der für ihn Fürsprache einlegte 116 ; auch der Pfarrer FranzFortunati schwebte in größter Angst, in den Fall des Frate mithineingezogen zu werden, hatte aber an seinem Freunde PeterFranz Medici 117 einen kräftigen Mittler bei Doffo Spini. DerDichter Hugolin Vieri suchte seine frühere Ergebenheit für
36*