.554 DIE PROZESSE UND DIE GESTÄNDNISSE
Mensch, dem selbst das Papsttum noch zu gering war, zu Werkeging. Doch möge der Papst bezüglich der Mönche von S. Marco,die nur die unschuldigen Opfer der Verschlagenheit ihres Oberenwaren, Gnade für Recht ergehen lassen; er möge sie nicht aus-einanderreißen und der Vorrechte ihrer Kongregation nicht be-rauben. Bonsi ward eigens beauftragt, die Sache der Mönche indie Hand zu nehmen und namentlich die beiden Brüder, die alsdie Vertrauensmänner ihres Klosters nach Rom gingen, beimPapste, beim Kardinalprotektor und beim Ordensgenerale zuunterstützen 68 .
Inzwischen hatten die Signoren auch den zweiten Teil des Pro-zesses verlesen lassen 70 , um die Frateschenführer, Männer wieP. A. Soderini, J. B. Ridolfi, Jakob und Alamanno Salviati, Franzdel Pugliese u. a., in den Augen der Menge herabzusetzen. Mitgutem Bedachte veranstalteten sie eben jetzt auch die Wahl ihrerAmtsnachfolger für Mai-Juni; die Wahl fiel, da zudem 200 ver-dächtige Bürger ausgeschlossen worden waren, durchaus in ihremSinne aus und bot alle Gewähr, daß das im stillen längst beschlos-sene Todesurteil über den Frate auch wirklich vollstreckt wurde 71 .Wie dem Papste, so machte man auch dem Mohren Mitteilungüber die erzielten Geständnisse, womit man die Bitte um Rück-gabe Pisas verband, zugleich mit der unaufhörlichen Versiche-rung, jetzt, nachdem die Wurzel aller Uneinigkeit hinweggeräumtund der Schwindel des Frate aufgedeckt sei, herrsche Friede undEintracht unter der Bürgerschaft 72 . Gleichwohl beruhigte sich dieSignorie mit den Errungenschaften vom 19. April noch immernicht. Um den Frate noch stärker zu belasten, veranstaltete sie vom21. bis 24. Apr il eine neue Untersuchung , deren Ergebnisse im zwei-ten Prozesse 73 niedergelegt sind. Wie hier versichert wird, hatte mandiesmal zur Folter oder Verletzung des Körpers nicht gegriffen, —eine Angabe, die durch einen anderweitigen Bericht glattwegLügen gestraft wird, am 23. April habe man den Frate aufs neue.gemartert 74 . Der Frate hatte angeblich ferner gestanden, er habevon den ihm vom Grafen Johann Pico zur Verteilung übergebe-sty nen Geldern seiner Mutter 40, seinem Bruder (welchem?) 8 Gold-
gulden geschickt, während doch feststeht, daß er überhaupt niezu bewegen war, etwas für die Seinigen zu nehmen 75 . Der Fratesollte überdies bekannt haben, Pandolf Rucellai habe bei seinemEintritte in S. Marco im Mai 1495 einer seiner Schwestern 20 Gul-