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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
553
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DIE MÖNCHE (VON S. MARCO) VERLEUGNEN DEN FRATE 55'3

flehend warfen sie sich vor dem Papste und vor dem Kardinal-protektor auf den Boden. Um Vergebung bettelnd lagen sie auchdem Ordensgenerale und dem Prokurator Franz Mei zu Füßen.Welche Genugtuung mußte es diesem bereiten, die Söhne des ihmin tiefster Seele verhaßten Frate vor sich im Staube zu sehen, dieLippen, die noch vor kurzem sein Lob in so hellen Tönen gesun-gen, nun voll von Verwünschungen und Anklagen! Um sichselbst zu entlasten, mußten die Brüder um so mehr ihren frühe-ren Oberen belasten; um ihre eigene Strafe zu verringern, forder-ten sie eine um so strengere für ihn 60 . So gaben sich die Mönchevon S. Marco selbst zu He'nkersdiensten an ihrem Meister her,dem ein Gegner die bittere Klage in den Mund legen durfte:„Meine leiblichen Brüder, die Mönche von S. Marco, haben michverraten 61 ." Nach harten Demütigungen 62 durften sie im Bewußt-sein heimkehren, das Ärgste von sich selbst abgewendet, dafür ■aber dem Frate auferlegt zu haben. Die erbetene Enthebung vomEintritte in die neue Kongregation ward den Brüdern von S. Marcojedoch gleichwohl nicht bewilligt. Franz Mei war unerschütterlichin seinem Entschlüsse, ihre Kongregation zu vernichten; ebensoblieb, von ihm gestärkt, der General fest 63 . Auch der Papst ließihnen keinen Zweifel übrig daran, daß die Tage ihrer Selbständig-keit gezählt seien 64 .

Nirgends war man auf das Ergebnis der Verhöre des Frate sogespannt wie in Rom. Der Papst konnte es fast nicht erwarten,bis er von Bonsi Mitteilung erhielt, zumal da von staunenswertenUnternehmungen des Frate gegen den Heiligen Stuhl die Redewar 65 . Als Bonsi sein Schweigen mit dem Mangel an amtlichenNachrichten entschuldigte, war der Papst hierüber befremdet, daer doch schon von anderer Seite viele wichtige Dinge erfahrenhabe 68 . Erst nachdem sie den Inhalt der Geständnisse zur Kennt-ms der eigenen Bürgerschaft gebracht hatte, hielt jedoch die Si-gnorie die Zeit für gekommen, auch den römischen Hof zu ver-ständigen 67 . Sie ließ einen Auszug 86 aus dem „Prozesse" anferti-gen und darin alles auf den Heiligen Stuhl Bezügliche zusammen-stellen, indem sie ihn zugleich um Entschuldigung wegen derlangen Verzögerung bat, die in der Schwierigkeit und Langwierig-keit der Untersuchung und in der Verstocktheit des Frate ihrenGrund habe. Schon aus diesem Auszuge könne der Heilige Vaterersehen, mit welcher Schlauheit der zu jedem Betrüge fähige