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548 DIE PROZESSE UND DIE GESTÄNDNISSE
entschlossen, sich entweder durch erheuchelte Heiligkeit ewigenRuhm zu erwerben, oder in Kerker und Tod zu gehen. Trotzfleißiger und unaufhörlicher Folter brachtenwir in vielen Tagen mit Mühe doch nur wenigesaus ihm heraus." Wie hätte sich die Signorie am 21. Aprilüber das geringe Erträgnis der peinlichen Verhöre beklagen kön-nen, wenn sich der Frate am 19. April rückhaltlos zum Prozessebekannt und damit das Geständnis aller Geständnisse abgelegthätte, das in der Verleugnung seiner Prophetie bestand? Wiehätte man dann über diese Geständnisse noch enttäuscht sein undbehaupten können, sie seien nur die äußere Schale gewesen, denKern habe man verschwiegen 31 ? Endlich wird klar, was von dergern geäußerten Anschauung zu halten ist, die Prophetie habe denSturz des Frate herbeigeführt 32 . Im Gegenteil konnte man denFrate erst völlig stürzen, nachdem man im Volke den Glauben anseine Prophetie untergraben hatte.
Um die für sie so nötigen Geständnisse zu erlangen, hatten dieCompagnacci, die im Gerichtshofe saßen, mit gutem Bedachteihren Genossen Franz Barone, genannt Ceccone, der vor wenigenWochen beim üppigen Festmahle zu Ehren Doffo Spinis als Kanz-ler gewaltet hatte, zu ihrem Gerichtsschreiber bestellt 33 ; wenn er-klärte Todfeinde das Gericht bildeten, Doffo Spini die peinlichenVerhöre leitete 34 und Ceccone die Feder führte, so konnte es frei-et, »,$*-J'lich nicht fehlen, daß der Frate „gestand",' was man brauchte.Was an der Angabe der Frateschen richtig ist, Ceccone habe, indie Verschwörung behufs Zurückführung Peter Medicis verwickelt,in S. Marco Zuflucht gesucht und gefunden und hierdurch seinLeben gerettet, dann aber gleichwohl dem Mohren über die Predigtdes Frate Bericht erstattet 35 , mag dahingestellt bleiben. Es wirdferner erzählt, er habe auf die verzweifelte Klage eines Partei-freundes hin, es sei keine Schuld am Frate zu finden, entgegnet:„Wo keine Schuld ist, muß man eben eine solche erfinden 38 ", unddann gegen das Versprechen einer Belohnung von 400 Scudi dieHerstellung einer als Unterlage zur Verurteilung brauchbaren An-klageschrift, wie sie im Prozesse vorliegt, übernommen; nachher1 aber habe er nur 30 Scudi erhalten und schon nach 6 Monatensein Leben, wie es ihm der Frate vorhergesagt, in Verzweiflunggeendet 37 ." Wie dem auch sei, gewiß ist, daß er der Verfasser desProzesses war, bei dessen Anfertigung er sich außer den von ihm