DAS ZEUGNIS DOFFO SPINIS 547
zeichnete 28 . Im selben Sinne sprach sich Doffo Spini gelegentlicheines Wortwechsels aus, der sich zwischen Simon Filipepi und Bar-tholomäus Carducci entsponnen hatte, weil dieser den Frate unddie Piagnonen beschuldigte, die Stadt zugrunde gerichtet zu haben.Da griff Doffo mit der Bemerkung ein, er habe den Frate erstkennengelernt, als dieser bereits im Kerker lag, er selbst aber alsMitglied des Gerichtshofes mit der Untersuchung über ihn betrautwar. „Hätte ich ihn schon früher gehört und näheren Umgangmit ihm gepflogen, wie Simon hier," erklärte er, zu diesem gewen-det, „so wäre ich ein eifrigerer Anhänger von ihm geworden alsSimon. Denn bis zu seinem Tode war an ihm nurGutes zu beobachten, es war aber mit ihm schon zu weitgekommen, und so mußte es ihm gehen, wie es Christus erging 27 ."So wenig der Prozeß zur Lehre und Persönlichkeit des- Fratestimmte, so sehr entsprach er den Bedürfnissen seiner Bichter.Sie brauchten Geständnisse, die ihn ruinierten. Was ihn nun aberin den Augen der Gläubigen zum Heiligen stempelte, das warseine prophetische Sendung. Solange der Glaube an sie nicht er-schüttert war, war er noch in Ketten unüberwindlich. DieserGlaube war in der Wucht seiner Persönlichkeit und seiner Predigtso stark verankert, daß er nur von ihm selbst zerstört werdenkonnte. Erst wenn er sich selbst als Betrüger entlarvte, hatte erseine Bolle ausgespielt und das Spiel für immer verloren. Darumdas im Prozesse so stark hervortretende krampfhafte Bestreben,ihn als einen von maßloser Buhm- und Herrschsucht besessenenHeuchler und Lügenpropheten hinzustellen 28 . Die Gegner warenzu gute Menschenkenner, um die überwältigende Wirkung einessolchen Bekenntnisses auf die durch die Vereitelung der Feuer-probe ohnehin schon aufgebrachten Volksmassen nicht zu erken-'nen. Schon vom Beginn der peinlichen Verhöre an, als der Fratean seiner prophetischen Sendung nachweisbar unerschütterlichfesthielt, sprengten sie aus, er habe sie schmählich verleugnet 29 ,und das wiederholten sie unaufhörlich, bis es Freund und Feindglaubten. Und doch gab die Signorie selbst zu, daß der Fratetrotz qualvollster Folter belangreiche Geständnisse nicht gemachthabe. „Wir hatten es", schrieb sie am 21. April an den Papst 30 ,„mit einem Manne von größter körperlicher Widerstandskraft undschlauem Geiste zu tun, der sich gegen die Folter unempfindlicherwies und die Wahrheit beständig in dichte Finsternis hüllte,35*