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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
549
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CECCONE DER FÄLSCHER 549

selbst aufgenommenen gerichtlichen Protokollen auch noch derAufzeichnungen bediente, zu welchen sich der Frate seinen Rich-tern, wie wir sahen, erboten hatte. Diese Aufzeichnungen gelang-ten später in den Besitz Johann Berlinghieris, eines Mitgliedes derzur Zeit der Untersuchung amtierenden Signorie 38 , von welchemsie aus Furcht, sie könnten, wenn je veröffentlicht, seinen arrab-biaten Freunden verhängnisvoll werden, den Flammen über-geben wurden 89 . Beide Quellen, seine Protokolle und die Auf-zeichnungen des Frate, verarbeitete Ceccone in der Weise zumProzesse", daß er je nach Bedarf ausließ, hinzufügte und än-derte 40 . Der Prozeß war daher e ine Fälschun g^jj hne doch d urch-aus auf Unwahrheit zu beruhen. Er bildete vielmehr eine eigen-artige Mischung von Wahrheit und Dichtung, die oft mühelos, /azuweilen freilich nur schwer voneinander zu scheiden sind 41 ;jedenfalls ist allen den Frate belastenden Stellen gegenüber größteVorsicht geboten. So sehr sich Ceccone jedoch bemühte, den Frateseines ehrwürdigen Prophetenmantels zu entkleiden, so wenigvermochte selbst er es, sich dem Zauber seiner Persönlichkeitganz zu entziehen. Er wagte es nicht, ihn mit dem niedrigenSchmutze gemeiner Leidenschaften zu besudeln. Das einzige,was ihm auf Grund des von Ceccone bearbeiteten Prozesses ernst-haft zur Last fiel, war die Anmaßung prophetischer Sendung,alles übrige gereichte ihm statt zur Schuld vielmehr zur Ehre 42 . f- N **-«' ** <*-'In den Worten aber, die Ceccone dem Frate zuschrieb, es gehöreviel mehr dazu, ein Werk wie das seinige zu unternehmen, alsPapst zu sein, lag eine Anerkennung seiner Geistesgröße, die, voneinem Führer der Compagnacci ausgesprochen, schwerer wog,als das höchste Lob schwärmerischer Piagnonen.

Mit der Fertigung des Prozesses war es nun freilich, das wuß-ten die Richter sehr wohl, noch nicht getan. Die Hauptsache war,daß ihn der Frate durch seine Unterschrift als wahr und echtbeglaubigte, und die Erlangung dieser Unterschrift kostete vielgrößere Mühe als die Anfertigung des ganzen Schriftstückes. Esbedurfte langen Zuredens, fbis sich der Frate, durch die ungeheu-ren körperlichen und seelischen Qualen der letzten Wochen er-schöpft, endlich dazu herbeiließ 43 , jedoch nicht ohne eineeinschränkende Bemerkung gegenüber den ei-genmächtigen Einschaltungen Ceccones 44 , sodaß er also nur die von ihm selbst, sei es mündlich, sei es schrift-