DIE FÄLSCHUNG DES PROZESSES 545
der Erinnerungen" die Geständnisse, die der Frate abgelegthabe, die trügerische Anmaßung göttlicher Offenbarung, die Gül-tigkeit des Bannes, den Ehrgeiz bei Verfolgung seiner politischenPläne; später aber machte er einen dicken Strich durch diesenEintrag und fügte reuig hinzu, nachdem er sich Mühe gegeben,der Sache besser auf den Grund zu kommen, habe er die Stadtund ihre Bürger so sehr in Leidenschaften verstrickt gefunden,daß er zur Einsicht gelangt sei, es seien in den-Verhören des Frateviele Lügen unterlaufen; und so widerrufe er denn alles, was erüber ihn geschrieben, und wolle nichts anderes über ihn sagen, alsdaß er ein Mann großer Gelehrsamkeit und frommen und voll-kommenen Lebens war 12 . Auch Jakob Nardi, der bekannte Histo-riker, glaubte anfangs an die Wahrheit der Geständnisse 13 . Späteraber versicherte er, aus dem eigenen Munde eines der Richter ver-nommen zu haben, man habe im Prozesse des Frate verschiedenesausgelassen und anderes beigefügt, was er, um sein Gewissen nicht,. , rzu beschweren, nachträglich bezeugen wolle 14 .
In der Tat läßt sich die Unglaubwürdigkeit des Prozesses inverschiedenen Stücken unwidersprechlich erweisen. Dem Prozessezufolge erhielt der Frate nur am 9. April die Folter, bei den fol-genden Verhören aber nicht mehr 15 . Tatsächlich wurde er aber,wie wir schon sahen, am 9. April überhaupt noch nicht gefoltert,da er erst am 10. April nach dem Bargello geschafft wurde 16 , wodie Folterwerkzeuge waren. Ebenso steht, wie wir uns ebenfalls *bereits überzeugten, einwandfrei fest, daß er der Folter auch spä- <^y^~/ ~-ryj/ter noch unterworfen wurde. Macht der Prozeß nun aber schonin solchen verhältnismäßig nebensächlichen Dingen bewußt falscheAngaben, so verdient er überall da, wo er bestimmte Absichtenverfolgt, erst recht keinen Glauben. Dem Prozesse zufolge gestandder Frate schon von den ersten Verhören an alles ein, während ernach dem ganz unverdächtigen Zeugnisse Nerlis/ anfangs durch die / ^W~ ^ «VyKühnheit seiner Antworten sogar seine Richter, zu denen Nerlis J»-*-~~j ~, v » »^Vater Benedikt zählte, erschreckte und erst allmählich der Folter l^j .erlag, eine Meldung, die ihrerseits wieder durch den auf Mitteilun- 'gen von Arrabbiaten beruhenden und daher -in diesem Stücke sicher :einwandfreien Berichte Tranchedins 17 widerlegt-;wird, er sei trotz i BJL . t ^_ t ,harter Folter standhaft geblieben, £wie ja auch sogar die Signorieam 21. April an den Papst schrieb, er habe sich gegen die Folterunempfindlich gezeigt 18 . Dem Prozesse zufolge 19 bekannte der 1= *^-<-y»-n^35 Schnitzer, Savonarola J ""?? ^*"t </~*