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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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544
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544 DIE PROZESSE UND DIE GESTÄNDNISSE

diesem Zwecke den Bruder Malatesta an die Signorie. Wenn ichauf der Kanzel erklärte, ich wisse gewiß, mein Kämpe werde imFeuer nicht unterliegen, so sagte ich auch dies nur, um mir biszuletzt Ansehen zu verschaffen. Da ich endlich gefragt wurde, obich all dies auch öffentlich bekennen würde, so erwidere ich, daßich fürchten müßte, gesteinigt zu werden.

Dieses Geständnis des Frate, so wie es der Notar vorlas, stellteeinen glatten Widerruf se iner bisherigen Lehre dar, eine gänzlicheVerleugnung seines Lebenswerkes, und wurde so auch sofort all-gemein aufgefaßt 5 . Ein solcher Schritt widersprach nun abereinerseits der ganzen, in allen früheren Schriften, Predigten undHandlungen zutage getretenen Geistesart des Frate so vollkommen,entsprach aber anderseits dem allerdringlichsten Bedürfnisse undVorteile der Gegner so auffällig, daß er als geschichtliche Tatsachenur im Falle unumstößlicher Bezeugung hingenommen werdenkann. Nun aber unterschrieb der Frate das vom Notar verleseneSchriftstück eigenhändig mit einer Erklärung, die in der von derSignorie besorgten Druckausgabe lautete:Aus freien Stücken be-kenne ich, daß alles wahr ist, was oben auf gegenwärtigem Blatteund den übrigen 23 von einer Hand geschrieben steht" 9 ; und dieEchtheit dieser Unterschrift wurde ihrerseits wieder durch die Un-terschrift des Domherrn Ludwig de Adimari, des GeneralvikarsDominikus de Castellani von Fiesole sowie der anwesenden sechsMönche von S. Marco beglaubigt, so daß auch nicht der leisesteZweifel an der Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der ganzenUrkunde möglich erscheint. Gleichwohl versicherten nicht bloßFrateschen, diese Urkunde, der sogenannte erste Prozeß, sei, weitentfernt der getreue Ausdruck der Geständnisse des Frate zu sein,vielmehr eine Fälschung des Notars Franz Barone, genannt Cec-cone 7 . Auch Franz Guicciardini gab seinen Zweifel an der Echt-heit jener Aussagen mit der Bemerkung zu erkennen, man habeim großen Rate alles verlesen, was man in den Verhören ermittelt^ ,)w ^r«r**t»-tt zu haben behauptet e'V^elbst Peter Delphin, ein so giftigerj ir»j^ &*** Gegner des Frate, änderte den Satz, den er in seinem Bericht über,, { ' die Hinrichtung geschrieben hatte 9 :er offenbarte seine Misse-taten 10 ", später in der Weise ab, daß es nur mehr hieß:ersoll seine Missetaten geoffenbart haben 11 ". Thomas Ginori, einBiedermann ohne Makel und kein Fratesche, der im April 1498Mitglied der Signorie war, verzeichnete in seinemBuche