DAS STREBEN NACH DEM PAPSTTUME .543
ob sich die Sache in Wirklichkeit so zugetragen hätte. Von derlombardischen Kongregation trennte ich mich, um Freiheit undUnabhängigkeit zu erlangen. Das strenge Leben, das ich selbstführte und zu dem ich andere anhielt, die Zurückgezogenheit unddas seltene Auftreten in der Öffentlichkeit entsprangen ebenfallsnur der Absicht nach Ansehen und Ehre in den Augen der Weltund besonders der frommen Leute. Die Sache mit dem Konzilnahm ich in Angriff, weil mir das Treiben der Kirche nicht gefiel,sowie aus Ärger über die Exkommunikation und Breven, die widermich ergangen waren. Sie beschleunigten mein Unternehmen, dasdem Bestreben entsprang, mir für die Gegenwart wie für die Zu-kunft einen Namen zu machen. Wenn alles glücklich gegangenwäre, so hätte ich noch andere gewaltige Dinge ins Auge gefaßt,besonders die Unterwerfung der Ungläubigen. Dagegen lag mirwenig daran, Kardinal oder Papst zu werden, denn wenn ich einso großes Werk vollbracht hätte, ohne Papst zu sein, so hätte ichein Ansehen genossen wie sonst niemand auf der Welt. Wäre ichzum Papste gewählt worden, so hätte ich dies nicht verschmäht,obschon meines Erachtens mehr dazu gehört, ein solches Werkzu vollbringen, als Papst zu sein. Denn Papst kann jemand auchohne besondere Fähigkeit werden, ein solches Werk dagegen ver-langt eine hervorragende Tüchtigkeit. Beichtväter bestellte ichviele in S. Marco, nicht um die Beichte von ihnen zu erfahren,denn das hätten sie um der vom Kirchenrechte angedrohten schwe-ren Strafen willen nicht getan, auch durfte ich mein Ansehen inihren Augen nicht aufs Spiel setzen. Was die Feuerprobe betrifft,so hätte ich viel darum gegeben, wenn Dominikus jene Sätze nichtaufgestellt und die Sache nicht heraufbeschworen und meineFreunde sie nicht betrieben hätten, denn ich für meine Personhätte sie nicht gewollt, und wenn ich gleichwohl zustimmte, sogeschah es nur mit Rücksicht auf x meine Ehre. Hätte ich damalsals die Sache in Fluß kam, gepredigt, so halte ich sie mit der Er-klärung aus der Welt geschafft, jene Sätze ließen sich auf natür-lichem Wege erweisen. Doch rechnete ich damit, der Franziskanerwerde nicht ins Feuer zu gehen brauchen und daher der Unsrigeauch nicht, wenn aber doch, so hätte ich ihn nur mit dem heiligenSakramente ziehen lassen, in der Hoffnung, dieses werde ihn vorden Flammen schützen. Um den Franziskaner einzuschüchtern,ließ ich den Scheiterhaufen möglichst groß machen und sandte zu