542 DIE PROZESSE UND DIE GESTÄNDNISSE
auch durch Nikolaus Alamanni sowie durch hier durchreisendeFranzosen ließ ich ihm das nämliche sagen, ohne je eine Antwortvon ihm zu erhalten. Karl Orsini und Vitellozzo Vitelli besuchtenmich auf ihrer Rückreise von Frankreich, als wenn ich der Landes-herr wäre. Der Bruder Ludwig von Valenza kam zu mir unddrängte mich, das Volk auf die Seite des Papstes zu bringen; ichwies ihn an Valori. Wenn ich dem Papste nicht gehorchte und nichtnach Rom ging, so geschah es, weil ich unterwegs oder zu Romdurch Leute Peter Medicis oder der Liga ermordet zu werdenfürchtete. Die Exkommunikation hielt ich für gültig und verbind-lich und beobachtete sie eine Zeitlang; da ich dann aber sah, daßes mit meiner Sache bergab ging, so setzte ich mich über sie ummeiner Ehre und meines Ansehens willen hinweg. Was die Wie-deraufnahme der Predigt am 11. Februar angeht, so wartete ichdie Berichte Bonsis an die Signorie wie an mich ab. Als ich ausihnen ersah, daß der Papst die Predigterlaubnis nicht gebe, faßteich, um mich zu behaupten, den Entschluß, wieder zu predigen,obschon sich verschiedene meiner Freunde, wie Alamanno undJakob Salviati sowie Dominikus Mazzinghi, darüber beklagten;andere freilich erkundigten sich: „Wie steht es mit der Predigt?Wir sterben vor Hunger nach dem Worte Gottes." Wenn ich michaus dem Dome nach S. Marco zurückzog, so geschah es nicht,um dem Papste zu gehorchen, sondern aus Furcht, ermordet zuwerden. Was meine Beziehungen zu den Gesandten betrifft, soschrieb ich manchmal an Joachim Guasconi und forderte ihn auf,den französischen König zur Bückkehr nach Italien und Rückgabeder florentinischen Besitzungen zu ermahnen. Von DominikusBonsi erhielt ich zwei Briefe, ebenso von Alexander Bracci, mitdem ich überdies mittels seines Schwiegersohnes Sebastian vonFirenzuola in Verbindung stand. Dagegen hatte ich RichardBecchi, der an seinen Bruder Johann über meine Angelegenheitschrieb, im Verdachte, denn er schrieb gegen uns. Mit Peter Me-dici«unterhielt ich keine Beziehungen, ebensowenig mit dem Kar-dinal, seinem Bruder, obschon mir dieser zweimal schrieb undmich um Zurückgabe seiner bei ihrer Vertreibung in S. Marcozur Aufbewahrung gegebenen Sachen bat.
Mit der Predigt, die ich an der Oktav des Festes Maria Verkün-digung 1495 über meine Paradiesfahrt hielt, verfolgte ich ledig-lich den Zweck, mir Ansehen und Ruhm zu erwerben, nicht als