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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
541
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DER ERSTE FALSCHE PROZESS 541

Höhe zu bringen. Um die Natur und Art der Gesichte Silvesterskümmerte ich mich in Wirklichkeit nicht, so sehr ich mir den An-schein gab, es zu tun; paßten sie mir, so gab ich sie für meineeigenen aus. Doch ließ ich ihn auf dem Glauben, als stammtenseine Gesichte von Gott, und bestärkte ihn hierin; weder er nochDominikus kannte meine Absicht, da ich mich im Verkehre mitihnen größter Vorsicht befliß. Immerhin begann ich meine Vor-aussagungen längst ehe mir Silvester seine Gesichte mitteilte, undwenn diese auch nicht gewesen wären, so hätte ich gleichwohldasselbe gepredigt; doch bediente ich mich ihrer, wenn sie mir ge-legen kamen. Silvester ist nämlich Nachtwandler und leidet aneiner Krankheit, die schon viele Ärzte zu heilen versuchten. Mein 'ganzes Streben war auf den Ruhm der Welt gerichtet, auf Ehreund Ansehen. Daher verkündete ich Dinge, aus welchen dieChristen die Greuel zu erkennen vermochten, die zu Rom ge-schehen, und forderte die Berufung eines Konzils, um viele Prä-laten und auch den Papst abzusetzen. An ihm hätte ich teilgenom-men und gepredigt und Dinge gewirkt, die mich groß gemacht undmir die Hochschätzung der Welt eingetragen hätten.

Um dieses mein Vorhaben zu erreichen, suchte ich mich hierder Herrschaft in der Weise zu bemächtigen, daß die Bürger gernoder ungern auf meinen Rat hörten. Ich hatte es auf eine Ver-fassung nach dem Muster der venetianischen abgesehen, mit Valorials Dogen. All meine Predigten, all die Andachten und Umzüge,die ich in S. Marco veranstaltete, all die Scheinheiligkeiten, engenVerbindungen und Freundschaften, all das Beichten, Beten undSingen diente lediglich der Förderung meines Werkes. GeheimeVerabredungen fanden jedoch in S. Marco nicht statt, wie ich michum die Einzelheiten der Regierung nicht kümmerte 4 , einerseitsweil ich mein Ansehen nicht aufs Spiel setzen wollte, dann aberauch, weil ich nichts davon verstand und sie bei so klugen und er-fahrenen Männern wie Valori, P. A. Soderini und J. B. Ridolfi inbesten Händen wußte. Wollte ich etwas von ihnen, so steckte ichmich hinter Silvester oder einen anderen meiner Mönche. Ichwußte auch sehr wohl, daß sich viele meiner Anhänger nur umihres Vorteiles willen in meinen Mantel bargen.

Was die auswärtigen Fürsten betrifft, so schrieb ich an denKönig von Frankreich zur Zeit seiner Rückkehr drei- oder viermal,um ihn zur Rückgabe der florentinischen Gebiete zu ermahnen;