538 DIE PEINLICHEN VERHÖRE
-f in Gestalt eines Engels, der wie ein löjähriger weiß oder rot ge-kleideter Jüngling aussehe. Er versicherte, seine Absicht sei gutgewesen, und der Erfolg werde lehren, ob sein Werk von Gott oderden Menschen sei. Das hinderte die Gegner aber durchaus nicht,schon am 11. April abends das Gerücht zu verbreiten, der Fratehabe selbst bekannt, er sei kein Prophet, noch habe er je mit Gottoder den Engeln gesprochen 107 . Das Verhör, das von „klugen undheiligen Bürgern" geleitet werde 108 , habe die arglistige Verstellungdes Frate und seinen planmäßigen Volksbetrug herausgestellt.Die Frateschen seien entschlossen gewesen, ihre Gegner zwei Tagenach dem Palmsonntage zu überfallen und niederzuwerfen. DerFrate habe sein Kloster verlassen und mit einem Banner mit demBildnisse des Gekreuzigten in Händen zum Sturme auf die Häuserder Feinde aufrufen wollen 109 . Ebenso hieß es in Pisa, der Fratehabe gestanden, er habe seine Gegner im Palaste niedermetzelnund Valori mit der Regierung betrauen wollen; er habe seit vierJahren Messe gelesen, ohne zu konsekrieren, und gleichwohl zahl-lose Personen kommuniziert; er treibe Nekromantie und predigenicht auf göttliche, sondern auf teuflische Eingebung hin 110 . Imschroffen Widerspruche zu solchen Nachrichten stand jedoch dievon den Gegnern selbst bezeugte, für sie höchst betrübliche Tat-sache, daß sie selbst nach Ostern b elastend e Aussagen von denVerhafteten immer noch nicht zu erpressen vermocht hatten 111 .Obschon seit dem Sturme auf S. Marco schon mehr als acht Tageverflossen seien, so verlaute, jammerten sie 112 , doch immer nochnichts Bestimmtes von einer Schuld der Verhafteten, so daß dieFrateschen, neuerdings ermutigt, zuversichtlich erklärten, wennman den Angeklagten etwas nachzuweisen vermöchte, so wäreman längst damit herausgerückt. Schon begann das niedere Volkund besonders die Schar der Compagnacci die Geduld zu verlieren.Gerade sie, dem Geständnisse ihrer Freunde gemäß, die Urheberdes bewaffneten Einschreitens wie überhaupt der ganzen bisheri-gen Entwicklung der Dinge 113 , waren am allerwenigsten gewillt,noch länger untätig zuzusehen. Sie beschwerten sich, daß mandie Untersuchung zu lässig führe und die Bösewichter allzusehrschone, und drohten,- wenn man nicht endlich ernst mache, neuer-dings zu den Waffen zu greifen und die Bestrafung der Missetäterselbst in die Hand zu nehmen. Es wurden sogar Stimmen laut,die dazu aufforderten, den Frate aus dem Fenster herabzuwer-