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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
539
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HÄUFIGE ANWENDUNG DER FOLTER 539

fen 114 . Und doch hatten die Untersuchungsrichter mit der Folternicht gegeizt. Zwar wurde versichert,~man habe ihn nur leicht ge-martert und nur ßVWal am Seile emporgezogen 115 . Aber an einemTage allein, am 10. April, hing er viermal am Stricke 116 ;' und er ~*~ ^faging bei den folgenden Verhören sicher nicht leer aus. Zuweilen 'o-**y

wurden ihm, wie von glaubwürdiger Seite berichtet wurde 117 , 4, 6,an einem Abende sogar 14 Züge zuteil; selbst von gegnerischerSeite gab man zu, man habe den Strick fleißig angewendet 118 . Die M °Verhöre währten vom Montag in der Karwoche bis Osterdienstag,die Karwoche wurde ihm zur Leidenswoche im vollsten Sinne desWortes.Tolle Domine, tolle animam meam", rief er im Über-maße der Schmerzen mit dem Propheten (Jon 4, 3) aus. DieHenker hatten ihn schließlich in einer Weise zugerichtet, daß sieihm das Seil nicht mehr geben konnten und ihm die spanischenStiefel zudachten; sein Arm war so wund, daß er beim Essen frem-der Hilfe bedurfte 119 . Er hätte kein Mensch von Fleisch und Blutsein müssen, wenn er sich, von unmenschlicher Folterqual über-mannt und seiner Sinne fast nicht mehr mächtig, nicht zuweilenÄußerungen hätte erpressen lassen, die er, der Folter ledig, sofortwiderrief und bereute 120 . Eigentliche Zugeständnisse, die eine Zu-rücknahme seiner bisherigen Lehre und Haltung bedeutet hätten,machte er aber auch so nicht, mochten ihm immerhin zuweilenmehrdeutige, dunkle Ausdrücke entschlüpfen, . mit welchen dieSchergen nicht viel anzufangen wußten und ihre Erwartungennicht befriedigt sahen. Am allerwenigsten ließ er sich zu einerVerleugnung seiner Prophetie herbei 121 , die seine Gegner am aller- **-f

meisten ersehnten. Da aber die Unruhe desVolkes" d. h. der J. i _ i * ;

Compagnacci und ihrer Sippe, die noch immer in Waffen starrtenund nachGerechtigkeit" schrien, eine bedrohliche Höhe erreichthatte, so mußte man handgreifliche Geständnisse haben, mußteden Frate und die anderen Mönche zur Enthüllung ihrer letztenGedanken in voller Öffentlichkeit zwingen das sahen und ge-standen die Arrabbiaten selbst ohne weiteres ein 122 . Und was ge-schehen mußte, geschah.