Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
535
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FROHLOCKEN DES PAPSTES 535

Alexander VI. hatte dem Gesandten schon auf die Kunde von derVerbannung des Frate hin seinen Dank für die gute Gesinnung derSignorie zum Ausdrucke gebracht 81 . Als er nun gar die Verhaf-tung der Mönche erfuhr, da kannte seine Freude keine Grenzemehr. Er sprach ihr seine wärmste Anerkennung für ihre Be-mühungen aus und verhieß, alles Menschenmögliche zur Wieder-erlangung Pisas zu tun. So gern, wie er die Vollmacht zum pein-lichen Verhöre der Mönche gab, ward nie eine Erlaubnis erteilt.Mit Freuden spendete er auch die erbetenen Lossprechungen, demGesandten aber schärfte er nachdrücklich ein, man möge ein be-sonderes Augenmerk auf die Beziehungen des Frate zu römischenPrälaten richten: am allermeisten aber lag ihm augenscheinlichdie Forderung am Herzen, auf die er immer wieder zurückkam,es möchten ihm die Mönche ausgeliefert werden 82 . Auch in seinemBreve an die Signorie äußerte er in überschwänglichen Wortenseine Befriedigung über die Einkerkerungdes Sohnes der Bos-heit", ebenso seine freudige Einwilligung in seine Vernehmung,sei es auch unter Anwendung der Folter, nur sollten dem Verhöreeinige Geistliche anwohnen; wiederum gab er dem sehnlichenWunsche Ausdruck, die Signorie möge ihrem Verdienste um denHeiligen Stuhl durch Auslieferung der Mönche die Krone auf-setzen 83 . Auffällig kühl sprach sich der Mohr in seinem Schreibenan die Signorie aus, in dem er sie zur Buhe und Eintracht er-mahnte, aus Furcht, es möchte bei der Vertreibung des Frate nichtsein Bewenden haben 84 . Auch die Zehn von Perugia beschränktensich darauf, ihr Bedauern über die stattgehabten Unruhen auszu-sprechen 85 .

Die Signorie durfte mit der Verurteilung des Frate nur dannsicher rechnen, wenn sie sich auf den Gerichtshof verlassen konnte,der die Untersuchung zu führen hatte. Bei politischen Verbrechen,wie sie dem Frate von den Arrabbiaten zur Last gelegt wurden,waren die Behörden der Zehn und Acht zuständig, die sich jedochzur Zeit aus Frateschen zusammensetzten und daher zu dem be-absichtigten Zwecke nicht zu gebrauchen waren. Die Signoriewußte sich aber zu helfen. Sie ließ durch den großen Bat am10. April neue Zehn, am folgenden Tage neue Acht wählen, die denalten, solange ihre Amtszeit noch lief, zur Seite treten und ihreTätigkeit lahmlegen sollten. Die neuen Männer waren durch-weg grimmige Feinde des Frate und erklärte Parteigänger des