534 DIE PEINLICHEN VERHÖRE
schonungsvollen Behandlung der angesehensten Frateschen, fielendaher bei einem Teile ihrer Parteigenossen in Ungnade 71 . Beson-ders in den unteren Volkskreisen war man dafür, die Piagnonen-häupter an Leib und Leben zu züchtigen; um dies abzuwenden,gingen die Arrabbiaten den Mohren um seine Vermittlung an 75 .
Dem Einschreiten der weltlichen Behörde gegen die Mönchestanden jedoch zunächst noch kirchenrechtliche Bedenken imWege. Auf Grund einer durch das zweite Laterankonzil (1139)zum allgemeinen Kirchengesetze erhobenen Bestimmung warenalle, welche sich an einem Kleriker oder Mönche böswilligerweisevergriffen, dem Kirchenbanne verfallen, von dem sie, außer imTodesfalle, nur losgesprochen werden konnten, wenn sie denHeiligen Vater persönlich darum ersuchten 76 . Derselben Strafe,wie der Täter selbst unterlag jedermann, welcher den Auftrag zurMißhandlung einer geistlichen oder Ordensperson gab oder einesolche Mißhandlung guthieß oder nicht rechtzeitig verhinderte 7 '.Schon durch die eigenmächtige Ergreifung der Mönche und diedabei verübten Gewalttätigkeiten hatte die Signorie als Auftrag-geberin den Bann ohne Zweifel verwirkt; sie hätte sich diesendurch Anwendung der Folter bei den Verhören, wie sie das bar-barische Gerichtsverfahren jener Zeit mit sich brachte und auchden Mönchen zugedacht war, erst recht zugezogen, ganz abgesehendavon, daß sich diese auch des Vorrechtes des geistlichen Ge-richtsstandes erfreuten und daher ohne päpstliche Genehmigungvon weltlichen Richtern nicht abgeurteilt werden durften 78 . DieSignorie beauftragte daher den römischen Gesandten Bonsi, beimHeiligen Stuhle die Erlaubnis zum peinlichen Verhöre der Mönchesowie die Lossprechung von allen Kirchenstrafen zu erbitten, diesich die Bürger durch Beteiligung an der Gefangennahme des Frateund schon vorher durch Teilnahme an seinen Predigten zugezogenhatten. Sie ersuchte zugleich um nachträgliche Billigung einer denOrden ehedem auferlegten Abgabe, ferner um die Ermächtigungzur Erhebung einer neuen Klerikalsteuer und endlich ganz beson-ders um die Rückgabe Pisas 79 — Forderungen, welche die Gegen-rechnung für den dem Papste in der Einkerkerung des Frate er-wiesenen Dienst darstellten. Ihren in Rom lebenden ErzbischofRainald Orsini aber ging die Signorie an, seinen bisherigen, demFrate aufrichtig ergebenen Generalvikar Peter Maria von Perugiazu entlassen und statt seiner einen Florentiner zu ernennen 80 .