DER FRATE DEN FEINDEN AUSGELIEFERT 631
Schwerverbrecher geführt, mußte er es sich gefallen lassen, daßihm der Nächstbeste aus dem Gesindel die Finger verrenkte;andere spien ihm Tns Gesicht oder hielten ihm die Fackel unterdie Augen mit den höhnischen Worten: „Das ist das wahre Licht",oder sie stießen ihn ins Gesäß, indem sie riefen: „Er hat die Pro-phetie im Hintern". „Jetzt stecke den Schlüssel an!", spottetensie; indem sie auf ihn einschlugen, schrien sie: „Weissage, wer^y^dich geschlagen hat 50 !" Paul Somenzi, der zu mitternächti- (J*rv4tL*r>*e.o4>iger Stunde in den Palast gekommen war, um von der Signorie dieErlaubnis zur Absendung eines Eilboten zu erwirken, war Zeuge,wie der Frate und Dominikus um 2 Uhr morgens hereingeführtund wie ihnen Handschellen angelegt wurden 51 . Dann trennteman sie und warf sie in den Kerker. Der Frate kam in eine engeZelle im Turme des Palastes, die unter dem Namen „Der kleineGasthof", alberghettino, bekannt war und einst auch Cosimo Me-dici beherbergt hatte 52 . Zugleich wurde er auch an den Füßen ge-fesselt, überhaupt wie der größte Bösewicht behandelt und mitSchmach aller Art überhäuft 53 . Bruder Silvester Maruffi hielt.sich seit 7 Uhr abends verborgen; Sacramoro Malatesta, der JudasS. Marcos, verriet sein Versteck, so daß er hervorgeholt und um8 Uhr ebenfalls in den Palast eingeliefert werden konnte 54 . So-gar ein leiblicher Bruder des Frate, Albert, der Arzt, der unglück-licherweise eben zu Besuch in S. Marco weilte, wurde verhaftetund in den Palast geschleppt, doch bald wieder freigelassen 55 .Das Kloster selbst wurde auf Anordnung der Signorie mit Wachenbesetzt, um zu verhüten, daß nicht auch die kostbaren Bücher-schätze ein Opfer der Plünderung wurden 56 .
Die Compagnacci und Arrabbiati frohlockten. Sie hatten denvollen Sieg über ihre Gegner davongetragen und waren entschlos-sen, ihn rücksichtslos auszunützen. Nachdem sie das Kloster be-zwungen hatten, brachten sie, wie sich ein Zeitgenosse ausdrückt 57 ,wohl ihre Waffen, nicht aber ihre Zungen zur Ruhe und ergingensich in den gehässigsten Schmähreden wider den Frate und seineAnhänger, die sich fast nicht mehr auf den Straßen sehen lassendurften und ihres Lebens nicht sicher waren, wenn sie Gutes vonihm zu sprechen wagten 58 . Um die Mönche von S. Marco möglichstverhaßt zu machen, führte man die im Kloster aufgefundenenWaffen auf einem Karren in der Stadt umher, indem man ausrief:„Sehet die Waffen, welche die Mönche im Kloster hatten 59 ." Gleich34»