ERMORDUNG VALORIS .527
trotz ihrer erdrückenden Übermacht vermochten die Angreifernichts auszurichten, sondern sahen sich nach einstündigem er-bittertem Kampfe auf allen Seiten zurückgeschlagen 18 . Um ihnenzu Hilfe zu kommen, erließ die Signorie einen Aufruf, wonach dieBürger, natürlich nur die Frateschen, die Waffen niederzulegenhatten, dem Frate aber ward jetzt die Räumung des florentinischenGebietes binnen zwölf Stunden geboten 19 , eine Anordnung, von dersofort auch die Vorsteher der benachbarten Ortschaften, so derVikar von S. Johann 20 , verständigt wurden. Der Frate war bereit,dem Befehle der Signorie zu gehorchen. Mit einem Kreuze in derHand schickte er sich zum Gehen an, indem er sprach: „Laßtmich ziehen, um meinetwillen ist dieser Sturm ausgebrochen! 1 'Da weinten seine Mönche, und die anwesenden Laien, unter ihnenbesonders Franz Davanzati und J. B. Ridolfi, baten ihn so flehent-lich, sie doch nicht zu verlassen und sich nicht augenscheinlicherLebensgefahr auszusetzen, daß er ihren vereinten Bitten nicht zuwiderstehen vermochte 21 . Doch wollte er von einer Beteiligungder Brüder an dem blutigen Kampfe nichts wissen, sondern befahl,die Waffen niederzulegen 22 . Sein Freund Dominikus durcheiltedas ganze Kloster und beschwor jedermann, weder zu schießen,noch die Glocke zum Sturme zu läuten 23 .
Die Compagnacci hatten aber längst auch zum Sturme auf dasHaus Franz Valoris aufgerufen. Dieser hatte am Vormittag demGottesdienste in S. Marco angewohnt und aus der Hand des Fratedie heilige Kommunion und den Palmzweig empfangen 24 . Ebensowar er am Nachmittag zur Vesper erschienen und daher Zeugedes wütenden Angriffes der Kinder und Compagnacci geworden.Nun mochte er zu spät einsehen, welche unbegreifliche Blindheites gewesen war, die klugen Warnungen Lukas degli Albizis in denWind zu schlagen. Wie er selbst, so hatten auch P. A. Soderini undPeter Guicciardini zahlreiche Bewaffnete in ihren Häusern ver-steckt 25 , sie hätten also zur rechten Stunde sehr wohl an erfolg-reiche Verteidigung denken können. Als der Sturm um S. Marcotobte, beriet sich Valori mit dem Frate, der ihm empfahl, sich nachHause zu begeben und hier mit Hilfe seiner Freunde kräftig zurWehr zu setzen 26 . Es war zu spät. Auf Um- und Schleichwegendaheim angelangt, stieß Valori auf Entsetzen und Grauen. Dasräuberische Gesindel war bereits dagewesen, hatte seine Frau undihre Magd umgebracht und selbst das Kind in der Wiege, das.