Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
526
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5a6 DER STURM AUF S. MARCO

eine unbeschreibliche Erbitterung. Die Waffen flogen aus derScheide, alles stürzte den Ausgängen zu und drängte ins Freie, wodie Frateschen von den durch die Compagnacci aufgebotenen Bu-ben mit einem Hagel von Steinen empfangen wurden 11 . Die wildeFlucht der Verfolgten, das Gejohle der zahlreichen Verfolger, diegellenden Schmerzensschreie der Verletzten setzten die ganze Be-völkerung in Bewegung. Im Nu war die ganze Stadt auf denFüßen, der Signorenplatz füllte sich mit Bewaffneten, die nur aufdas verabredete Zeichen zum Losschlagen gewartet zu habenschienen, an ihrer Spitze die Brüder Jakob und Benedikt de' Nerli,Alfons Strozzi und Peter Corsini, die Häupter der Compagnacci.Auch Fratesche hatten sich eingefunden, wie Lukas degli Albiziund Franz della Scarfa, die jedoch als verdächtig zurückgewiesenund im Signorenpalaste festgehalten wurden 12 . Die durch unauf-hörlichen Zuzug aus allen Teilen der Stadt beständig anwachsendeMenge strömte nicht etwa aus frommer Entrüstung über dasScheitern der Feuerprobe oder über die Mißachtung des Bannesdurch den Frate, sondern nach alter, gut florentinischer Gepflo-genheit in der Hoffnung auf reiche Beute herbei 13 . Sie witterteeine prächtige Gelegenheit zum Rauben und Plündern und fiel überdie Frateschen her, wie sie unter anderen Umständen über dieArrabbiaten hergefallen wäre. Als nun die Losung gegeben ward:Nach S. Marco, nach S. Marco!", und die Signorie selbst nachAblauf der Geschäftszeit Lanfredinis das Zeichen dazu gegebenhatte 1 *, stürmte der Pöbel ohne Verzug nach dem Kloster, stießjedoch hier auf unerwarteten Widerstand 15 . . Zwar die Häupterder Frateschen, Franz Valori, P. A. Soderini, J. B. Ridolfi, AndreasCambini u. a., vom feindlichen Überfalle, während sie in S. Marcoder Vesper anwohnten, überrascht, schauten einander wie betäubtan und trafen selbst jetzt noch immer keine Anstalten zur Verteidi-gung 16 . Aber es hatte nicht an Männern gefehlt, welche die Ge-fahr richtig erkannt und Vorsorge zur Abwehr getroffen hatten.Längst hatte man sich in S. Marco durch das herausforderndeBenehmen der Compagnacci, deren Übermut keine Grenze kannte,ernstlich bedroht gefühlt; man hegte sogar die Befürchtung, siekönnten den Glockenturm besteigen und das Kloster anzünden.Man hatte daher ständige Nachtposten von sechs bis acht beherz-ten Laien aufgestellt und zu ihrer Ausrüstung Waffen herbeige-schafft 17 . Diese Waffen leisteten nunmehr ausgezeichnete Dienste;