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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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DIE VEREITELUNG DER PREDIGT

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vollends außer Rand und Band. Wehe ihnen, wenn er imstandewar, sich mit dem Volke, sei es mittel-, sei es unmittelbar, noch-mals in Verbindung zu setzen und ihm die Augen über die wahrenUrheber und Ursachen der Vereitelung der Feuerprobe zu öffnenDarum erfüllte sie der Gedanke mit Wut, daß Marian Ughi, einerder beliebtesten Kanzelredner von S. Marco, am Nachmittage nachder Vesper predigen wolle, ein Unterfangen, das ihnen, obschondie Predigt längst zuvor anberaumt war und durchaus ordnungs-gemäß erfolgen sollte, als schlechthin unerträglich erschien*. Siebeschwerten sich hierüber bei der Signorie als über eine offen-kundige Verletzung der dem Papste gegebenen Zusage und droh-ten, zur Selbsthilfe zu greifen, wenn von Obrigkeits wegen keineAbhilfe erfolge 5 . Schon am Samstag abends hätte man eine Ver-wirklichung des Signorenbeschlusses vom 30. März erwarten mö-gen, wonach der an der Vereitelung der Probe schuldige Teil mitVerbannung bestraft werden sollte. Die Leitung der Geschäfteder Signorie pflegte nun aber von einem Tage auf den anderen zuwechseln und lag eben in Händen Lanfredin Lanfredinis, der, wieschon bemerkt, der einzige erklärte Fratesche der gegenwärtigenSignorie war und sich zu irgendwelchen, dem Frate abträglichenMaßregeln nicht herbeiließ 6 . So konnte sich Marian Ughi von derBehörde unbehindert zur herkömmlichen Stunde nach dem Domebegeben, gefolgt von einer Menge von Gläubigen 7 , die das WortGottes aus seinem Munde zu vernehmen begehrten. Zwar wird be-hauptet, die Vereitelung der Feuerprobe habe einen so vollständi-gen Umschwung der Stimmung herbeigeführt, daß dasVolk"allen Glauben an den Frate verlor und eine heftige Feindschaftgegen ihn faßte 8 . Allein, diesesVolk" waren nur Leute, die ihmohnehin feindselig gesinnt waren 9 oder doch in ihrem Glauben zu-vor schon geschwankt hatten; auf sie mußte die ungeheure Ent-täuschung freilich wie ein kalter Wasserstrahl wirken. Die Pia-gnonen selbst waren im Vertrauen auf den Propheten zu tief ver-ankert, kannten auch die Tücke und Schliche der Gegner zu gut,als daß sie so schnell an ihm irre geworden wären; der Dom wardaher voll von Andächtigen, die auf die Predigt Marians harrten 10 .Als nun Anton Alamanni, einer der Compagnacci, begierig, denFrate aus dem Wege zu räumen, Lärm machte und den Gläubigenzurief, sie möchten die Kirche verlassen, die Predigt finde nichtstatt, da bemächtigte sich der ohnehin fieberhaft erregten Gemüter