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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
520
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5ao DIE FEUERPROBE

ten sogar das Kreuz verhexen, so will ich, daß Dominikus zumoffenkundigen Beweise, unsere Stärke .und Zuversicht ruhe inChristus und nicht in teuflischen Zauberkünsten, nicht das Kreuz,sondern das heiligste Sakrament selbst mit ins Feuer nimmt 130 .Darüber legten die Gegner sofort die größte Entrüstung an denTag. Das hieße ja Christum selbst verbrennen, wandten sie ein,zu einem so entsetzlichen Frevel könnten sie ihre Hände nimmer-P mehr bieten. So zerschlugen sich die Verhandlungen 131 . Da esnun Abend geworden war, so entließ die Signorie beide Teile nachHause. Die Compagnacci, durch ein vom Signorenpalaste ausge-gebenes Zeichen aufgefordert 132 , machten Miene, den Frate mitseinen Hauptanhängern unterwegs zu ermorden, wie sie dies zuvorschon verabredet hatten 133 , ließen jedoch hiervon ab, sicher nicht,wie sie vorgaben, aus frommer Ehrfurcht vor dem heiligstenSakramente, das er in Händen trug, sondern vielmehr aus feigerAngst vor der überlegenen Truppenmacht Joachim della Vecchiassowie Marcuccio Salviatis, der den Frate und seine Getreuen so-fort mit seinem tapferen Schwerte deckte 134 . Die Compagnacciwußten sich jedoch mit dem Gedanken zu trösten, für das Volksei es eigentlich besser so, aus den verschiedensten Gründen, schonum das Gerede zu vermeiden, besonders aber deshalb, weil derFrate, von seinen Feinden niedergemetzelt, in den Augen seinerAnhänger im Glorienschein eines Märtyrers und Heiligen gestrahlthätte; zahlreiche Menschen wären dann im Glauben an ihn erstrecht bestärkt und die letzten Dinge schlimmer als die ersten ge-worden 135 . Nach S. Marco zurückgekehrt, bestieg der Frate dieKanzel und setzte den Gläubigen den Verlauf der Dinge genauauseinander, mit der Beteuerung, seine Schuld sei es jedenfallsnicht, wenn die Probe gescheitert sei 136 .

Somit hatten die Signorie, die Arrabbiati und Compagnacci ihreAbsicht glücklich erreicht. Sie hatten ein Meisterstück ruchlosenRänkespiels geliefert, um das sie ein Machiavelli beneiden durfte.Hintennach aber wälzten sie alles auf den Frate ab und schobenihm in die Schuhe, was sie selbst auf dem Kerbholze hatten. Ermußte nunmehr die Feuerprobe veranlaßt, er sie durch immer neueAusflüchte hintertrieben haben 137 . Hätten die Signoren ernstlich ge-wollt, kaum einer Viertelstunde hätte es bedurft, um die Probe zuerledigen. Freilich hätten sie dann aber, so wie die Verhältnisse la-gen, beide Mönche in die Flammen schicken müssen, und dies