ABSICHTLICHE VEREITELUNG DER PROBE 5ig
brüdern, sondern im Signorenpalaste aufhielten 126 . Stunde umStunde verrann, doch kam weder ein Bescheid aus dem Palaste,noch ließen sich Franz oder Julian blicken. Endlich erschienendie vier Unterhändler mit Peter Alberti als ihrem Sprecher an derSpitze, um im Namen der Signorie die Frage an den Frate zurichten, warum denn nichts vorangehe? Dieser erwiderte, erstehe ja doch mit Dominikus zur Verfügung und warte nur auf denGegner 127 . Die Unterhändler hinterbrachten diese Antwort desFrate der Signorie, die sich nun endlich auch an die Franziskanerwandte. Da äußerte Franz den Verdacht, die Gewänder desP. Dominikus könnten verhext sein, und verlangte, er möge sieablegen und mit anderen vertauschen. Der Frate willigte ein,Dominikus wurde in den Signorenpalast geführt, im Waffensaalevon den Franziskanern bis auf die Haut ausgezogen und vergeb-lich nach Zauberzetteln durchsucht. Dann wurde er von ihnenmit dem Ordenskleide eines wieder von ihnen ausgewählten Bru-ders von S. Marco namens Alexander Strozzi versehen. Nunwandten die Franziskaner ein, auch die Meßgewänder, mit welchenDominikus angetan sei, könnten verhext sein, auch sie müßten ge-wechselt werden. Der Frate gestattete auch dies, Dominikus er-hielt daher statt des roten Meßgewandes, in dem er gekommenwar, ein grünes aus der Sakristei der Signorie 128 . Inzwischen be-gann das nun schon seit frühem Morgen harrende Volk, des ver-geblichen Wartens müde, ungeduldig zu werden; doch wurde dievon Gegnern des Frate geschürte Unruhe durch die entschlosseneHaltung der Platzwache im Keime erstickt. Überdies brach einheftiges, wenn auch rasch beendetes Gewitter mit dichtem Platz-regen aus, der die Menge durchnäßte — ein Ereignis, das vielfachals das Werk böser Dämonen angesehen und der Zauberkraft desFrate zugeschrieben wurde, der zu diesem verzweifelten Mittel ge-griffen habe, um zu verhindern, daß seine Lüge und Falschheit anden Tag komme 128 . Nachdem Dominikus in die Loggia zumFrate zurückgeführt worden war, erhoben die Franziskaner einneues Bedenken. Da sie nämlich sahen, daß Dominikus ein Kreuzin der Hand halte, so verwahrten sie sich dagegen, daß er etwamit ihm ins Feuer gehe, da sie fürchteten, es könnte ebenfalls ver-hext sein. Der Frate, ungehalten darüber, daß die Gegner immerneue Ausflüchte vorbrachten, erwiderte: „Wenn diese Väter be-sorgen, wir seien Zauberer und Teufelssöhne (diabolici) und könn-