Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
518
Einzelbild herunterladen
 

5i8 DIE FEUERPROBE

O Herr, erhöre uns diesen Morgen und gib kund, daß wir dieWahrheit sprachen!"

Kaum hatte der Frate die Kanzel verlassen, als die Boten derSignorie erschienen, um ihn abzuholen. So setzte sich der Zug inBewegung: voran die sämtlichen Brüder von S. Marco, nach demAlter paarweise aufgestellt, zuletzt Dominikus, mit einem rotenMeßkleide angetan, inmitten zweier Leviten, am Schlüsse derFrate selbst, das heiligste Sakrament in silberner Monstranz inHänden. Nun folgte eine unermeßliche Volksmenge, Männer undFrauen, mit brennenden Kerzen. Die Sänger stimmten denPsalm 67 an:Erheben möge sich Gott und seine Feinde zer-stieben", und in gewaltigem Chore fielen die Gläubigen ein undsangen den Psalm zu Ende, so daß der Boden zu erdröhnen schien.^,Auf dem Platze angelangt, begab sich der Frate mit seinen Mön-chen in die für sie bestimmte Abteilung der Loggia und setzte dasAllerheiligste auf dem hierzu bereiteten Altärchen nieder. Derfeierliche Aufzug der Piagnonen und die religiöse Weihe, womitsie die bevorstehende Entscheidung einleiteten, machte selbst aufdie Gegner tiefen Eindruck und verbreitete Schrecken in ihrenReihen 123 . Dieser nahm zu, als die Brüder von S. Marco die Aller-heiligenlitanei anstimmten und hierbei, wie wenigstens die Fran-ziskaner bemerkt haben wollten 124 , zwar die franziskanischen,nicht aber ihre eigenen Ordensheiligen zu Hilfe riefen, in der An-,, nähme, die ersteren, nur um die eigenen und nicht um fremde, ' Ordensangelegenheiten besorgt und daher der über die Frateschenverhängten Exkommunikation unkundig, könnten ihnen ein Ge-/ - hör schenken, das sie von den in ihre kirchliche Verdammung ein-geweihten Dominikanerheiligen nicht mehr erwarten durften!

Nun hätte die Probe vor sich gehen können und sollen. DieLeitung lag bei der Signorie, die sich im Palaste aufhielt. ZurFührung der Verhandlungen hatte sie einen Ausschuß von vierangesehenen Männern eingesetzt, von welchen zwei, nämlichJ. B. Ridolfi und Franz Gualterotti Freunde, die beiden anderen,Peter degli Alberti und Thomas Antinori, Gegner des Fratewaren 125 . Gleich nach seinem Eintreffen in der Loggia hatte derFrate der Signorie melden lassen, er sei da und bereit, sie mögenunmehr den Befehl zur Ausführung geben und auch den anderenTeil hiervon verständigen, dessen Kämpen, Julian Rondinelli undFranz von Apulien, sich nicht in der Loggia bei ihren Ordens-