ANSPRACHE DES FR ATE 517
seines Teils bedürfe der Wunder nicht, da er die Gerechtigkeitseiner Sache auf natürlichem Wege darzutun vermöge. „Aber",fuhr er fort, „wenn wir herausgefordert werden, müssen wir unsstellen, auf daß der Glaube nicht Gefahr laufe. 0 Herr, du weißt,daß wir nicht freventlich an diese Sache gehen, sondern nur aufdie Forderung der Gegner hin! Gestern schon sagte ich euch, daßder böse Geist dem Feuer seine Kraft nicht zu nehmen vermag,obschon er die Wirkung des Feuers mittels eines kalten Körperszurückdrängen und machen könnte, daß es nicht brennt 122 . Abermerke wohl, hier, wo es sich um den Glauben handelt, kann Gottnicht zulassen, daß der Teufel die Sache des Glaubens zuschandenmacht; der Teufel kann es daher auch nicht verhindern, daßdie Wahrheit ans Licht kommt. Wenn also der Gegner etwa einenZauberer hat, so trete er nur ins Feuer — verbrennt er nicht, sowollen wir verspielt haben. Wir werden mit unseren Gebetenhinter ihm her sein, und wenn er, was unmöglich ist, nicht ver-brennt, so geben wir uns für verloren. Beachtet sodann, daß,wenn eine Wette zwischen zwei Gegnern verschiedenen Glaubensund verschiedener Götter zum Austrage gelangen soll, die Götterdes einen wie des anderen wohl ihr Möglichstes tun, um zu siegen.Nun verehren aber unsere Gegner gewissermaßen einen von unse-rem Christus verschiedenen Gott, da sie uns verfolgten und sichhierbei wie Türken und Heiden benahmen; Christus, unser Gott :wird also auf jeden Fall siegen, denn er kann von keiner Machtüberwunden werden. Tragen wir nun, woran nicht im geringstenzu zweifeln ist, den Sieg davon, dann müssen auch die Gegnerunseren Gott anerkennen und ihm in einem frommen Wandeldienen. Wir aber werden das „Te Deum" singen, doch nicht inausgelassener Freude, sondern in einem bußfertigen Leben. Einenso bedeutungsvollen Tag wie den heutigen muß man mit Buß-werken begehen. Fastet also, soweit es euch möglich ist, beiWasser und Brot und betet! 0 Herr, du weißt es ja, ich maßtemir die Predigt deines Wortes nicht selbst an, sondern du warstes, der sie mir auferlegte. Dies Volk schenkte mir Glauben, weilich von dir gesandt war — zeige ihm also, ich bitte dich, diesenMorgen, daß du es bist, der im Himmel und auf Erden herrscht,damit sie glauben, daß du mich gesandt hast, und darum ihrLeben ändern, auf daß alles zu deinem Lobe und Ruhme gereiche!