ZUVERSICHTLICHKEIT DER PIAGNONEN 613
Schon am 28. März hatten unter der Predigt des P. Dominikus,als er seinen Entschluß kundgab, die Probe zu unternehmen, zahl-reiche Frauen gerufen: „Ich auch, ich auch 01 ". Welt- wie Ordens-leute beider Geschlechter, selbst Kinder drängten sich heran, alsginge es zur Hochzeit 92 . Als sich der Frate eines Tages mit Plazi-dus Cinozzi im Klostergarten erging, warf sich ihm ein blühenderKnabe vornehmer Abkunft mit einer eigenhändigen schriftlichenErklärung zu Füßen und bat inständig, die Probe bestehen zudürfen. „Steh auf, Kind," sprach der Frate gütig zu ihm, „deinguter Wille ist Gott wohlgefällig, bewahre dir so edle Gesinnung!"Zu Plazidus aber bemerkte er: „Von vielen Leuten erhielt ichsolche Erklärungen, keine aber rührte mich so wie die diesesKindes. Gott sei gedankt dafür 93 !". Die Schwärmerei steigertesich, als der Prophet selbst am 1. April eine Ansprache an dieGläubigen hielt. Tausende unterbrachen ihn mit dem verzücktenZurufe: „Siehe, o Herr, ich will zu deiner Ehre ins Feuer gehen."Am Abende desselben Tages wiederholte Marian Ughi, der für ihnim Dome predigte, auf der Kanzel vor dem Bildnisse des Gekreu-zigten auf den Knien liegend sein Gelöbnis, für die Lehre desMeisters durchs Feuer zu schreiten 94 . Selbst so ernste und ge-messene Männer, wie Malatesta Sacramoro und Robert Salviati,die nach ihm die angesehenste Rolle im Kloster bekleideten, be-teuerten schriftlich ihre Bereitwilligkeit zur Feuerprobe 85 . Am3. April setzten die Brüder von S. Marco in einer gemeinsamenEingabe 98 den Papst in Kenntnis, sie alle seien von der Ehrlichkeitund Rechtschaffenheit ihres Oberen so sehr durchdrungen, daß *sie unbedenklich für ihn ihr Leben aufs Spiel setzten, und ebensoseien unzählige Leute jedes Geschlechtes und Standes gesinnt,während sich auf der Gegenseite nur ganz wenige hei beiließen,sich für eine ungewisse Sache in den gewissen Tod und in dieewige Verdammnis zu stürzen 97 .
Die Kurie war, als dieses Schreiben einlief, von der seltsamenWendung der Dinge bereits unterrichtet. Der Papst v erda mmte ** -M-, V ,.Jrdie Probe aufs entschiedenste. Er wunderte sich, daß man sicham Arno in solche Dinge einließ, und meinte, es wäre gut, hier-gegen einzuschreiten. Im selben Sinne sprach sich der KardinalSangiorgio von Alessandria aus. Solche Ordalien seien demPapste und der ganzen Kurie so mißliebig wie möglich, zumal dasich einer der durch die Probe zu erhärtenden Sätze auf die Gül-
33 Schnitzer, Savonarola
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