5o8 DIE FEUERPROBE
früheren Anerbietungen im Sande verlaufen, so sollte es diesmalernst werden; der neue Antrag litt kein Entrinnen mehr. DiePiagnonen schwebten in einem Glaubenstaumel, in dem sie Bergezu versetzen vermochten, und waren kindlich-harmlos genug, die-selbe ehrliche Begeisterung, in der sie selbst entbrannt waren, auchbei ihren Gegnern zu suchen. So lud D omin i kus von Pesci a am/Dienstag 27. und Mittwoch 28. März den Franziskaner, den vondiesem hingeworfenen Fehdehandschuh aufnehmend, zum Gangedurchs Feuer ein 65 . Es wird berichtet, er sei darob vom Fratefaß Ist »4* heftig getadelt worden 60 . Wenn es nun auch keineswegs wahr-scheinlich klingt, daß er einen so außerordentlich wichtigen Schrittohne ausdrückliche Erlaubnis seines Oberen unternommen habensollte, so ist doch auch die Angabe des Frate selbst 67 nicht vonder Hand zu weisen, er sei mit dem Angebote seines FreundesDominikus nicht einverst anden gewesen und hätte viel gegeben,wenn er es hätte ungeschehen machen können. Er durchschautedie Arglist der Gegner und wußte, daß er allen Grund hatte, ihreVorschläge mit äußerstem Mißtrauen aufzunehmen. Doch sah ersich, von seinen Anhängern gedrängt und bestürmt, gezwungen,zuzulassen, was er nicht mehr zu ändern vermochte. Namentlichwar Peter Maria von Perugia, Sohn des Podesta AgamemnonMarescotti von Bologna, ein begeisterter Verehrer des Frate, Feuerund Flamme für die Probe, um deren Vereinbarung er sich eifrigbemühte 68 .
Das gewichtigste Wort hatte jedoch im ganzen Handel die Si-gnorie zu sprechen; ohne ihre Einwilligung konnte nichts Ent-scheidendes geschehen. Die Signorie für März und April setztesich nun aber, wie bekannt, in ihrer großen Mehrheit aus Arrabbia-*1r~ **~f ten zusammen, für welche die Probe nur unter der Voraussetzungpv A^/r»^* in Betracht kommen konnte, daß sich hieraus ein Vorteil für ihre„. Ji~r4~- Sache ergab. Hatten und behielten sie die Dinge nicht von An-fang an bis zum Ende völlig in ihrer Hand, im Sinne des schlauenPlanes der Compagnacci, so setzten sie zu viel aufs Spiel — ihreigenes Wohl und Wehe nicht bloß, sondern auch die Sache ihrerauswärtigen Bundesgenossen und besonders des Heiligen Stuhles.Ein Sieg des Frate in der Feuerprobe bedeutete ja nicht bloß denTriumph der Frateschen in der Frage des Bannes, sondern auchihren Triumph in der inneren und äußeren Politik, ihren Triumphin der großen Angelegenheit der Kirchenreform ■— die Folgen