3o6 DIE FEUERPROBE
er hierbei lief. „Denn," so sprach er zu sich selbst wie zu ande-ren 52 , „entweder ist der Frate ein Heiliger oder er ist es nicht.Ist er ein Heiliger, so ist er auch von christlicher Liebe beseelt undkann nicht zugeben, daß ich oder ein anderer um seinetwillen imFeuer zugrunde gehe. Ist er keiner, so wird er von der Probe auchselbst nichts wissen wollen; geht nun aber die Weigerung von ihmselbst aus, so ist das Spiel für uns schon gewonnen." Der Fran-ziskaner schöpfte seine Überzeugung von der Ungefährlichkeit desAngebotes der Feuerprobe aber sicher nicht bloß aus logischenSchlüssen. Er wußte, daß er an den Compagnacci und ihrenFreunden den stärksten Rückhalt hatte, und das machte ihnkühn 53 . > Die Compagnacci waren nun aber, wie Doffo Spini später/ r ,,'y-'J<> * gestand 54 , von Anfang an entschlossen, die Probe nicht vor sichgehen zu lassen,fsondern nur als Gelegenheit zur Hinwegräumungdes Frate zu benutzend Kurz zuvor hatten sie im Palaste Pittiwiederum ein Gelage gefeiert, bei dem die heftigsten Gegner desFrate zugegen waren; sie hatten dabei die Verabredung getroffen,die Minoriten brauchten das Feuer überhaupt nicht zu beschreiten,es genüge, wenn sich die Brüder von S. Marco auf dem Signoren-pfetze einfänden und JDominikus allein den Scheiterhaufen be-steige 65 . * s ~- / **"— *^ #«—<■ *~*y» *»>* i
Der Gedanke an das Gottesurteil lag zu Florenz in der Luft.Noch war die Erinnerung an die Feuerprobe lebendig, die einstJohannes Gualberti gegen den simonistischen Bischof Peter vonFlorenz veranstaltet und der Mönch Peter der Feurige siegreichbestanden hatte 50 (1068). Etwa ein halbes Jahrhundert später warein anderer Peter, um sich vom Verdachte der Verunehrung desheiligen Kreuzes zu reinigen, ohne Schaden zu nehmen, barfußüber neun glühende Pflugschare geschritten 57 . Der Frate selbsthatte noch unlängst im Angesichte einer zahllosen Volksmengeden in der Hostie, die er in Händen hielt, gegenwärtigen Erlöserbeschworen, Feuer vom Himmel zu senden und ihn vom Erd-boden zu vertilgen, wenn er nicht in voller Wahrheit wandle. Niehatte er einen Zweifel daran übriggelassen, daß Gott die Recht-mäßigkeit seiner prophetischen Sendung, wenn nötig, auch durchübernatürliche Mittel beweisen werde. Noch vor kurzem hatte erseinen Gegnern zugerufen: „Du hast mich noch nicht zum Wunderfgezwungen; wenn ich aber dazu genötigt bin, dann wird Gottseine Hand erweitern, soweit es seine Ehre erfordert, obgleich du